Kischker  1786 - 1944                                                ein donauschwäbischer Ort in der Batschka 
heute:  
Bačko Dobro Polje  in der Vojvodina - im Süden der Batschka gelegen
 

Unsere Untertitel

• 02 Aktuelles und Veranstaltungen 

1. Aktuelles - mit Nachruf für Georg Demand

2. Veranstaltungen

3. Nachruf für Erich Gerber

   Nachruf für Wilhelm Schwepler

4. Ahnendenkmal 

5. Robert Lahr - Ahnendenkmal

6. Dr. E. Hütter zum 95. Geburtstag

7. Nachruf für Frau Dr. Elisabeth Hütter

8. Kischker-Gedenkstein in KA-Neureut

9. Heimatlied von Kisker  

1. Aktuelles   Nachruf für Georg Demand 

                                                    Im Gedenken an Georg Demand

Wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag verstarb Georg Demand am 17. April 2020. 

Auf dem Friedhof KA-Eggenstein hat er Ruhe und Bleibe gefunden. Die Trauerfeier –  in  Coronazeiten unter freiem Himmel – entsprach irgendwie der Dramatik seines langen Lebens: statt einer großen Trauergemeinde waren nur wenige Wegbegleiter und Feuerwehrmänner anwesend, alle stehend, kein Gemeindegesang. Bedrückend, aber gute, trostreiche Worte der Geistlichen.

Geboren in Bačko Dobro Polje/Kischker verlebte Georg bis in den Oktober 1944 eine schöne Kindheit. Das Kriegsgeschehen, die nahende Ostfront wurde für ihn und seine Familie lebensbedrohend. Die Flucht war vorbereitet, die Abfahrt aber wurde versäumt. Als 15 jähriger erlebte er den Durchmarsch der Roten Armee und die Machtübernahme der Partisanen mit deren Schreckensherrschaft. Seine Mutter zählt zu den Opfern des 9. November. Rechtlos, ausgeliefert der Willkür der Partisanen, allein mit dem Großvater – sein Vater war beim Militär – musste er den neuen Herren dienen, um im Mai 1945 interniert zu werden. Nach dem Hungertod des Großvaters im Lager Jarek, folgte für ihn Zwangsarbeit. Bei einem Streik – es gab kein Essen – wurde Georg zum Wortführer wider das tägliche Unrecht. Es setzte Schläge und Essensentzug und dazu die Belehrung: „Im sozialistischen Land wird nicht gestreikt.“ Im Oktober 1947 stand er vor der Entscheidung: freiwillig in die Kohlengrube nach Sibirien dafür aber danach aus der Internierung entlassen zu werden. Nach einem Jahr gelang es Georg, sich aus der Grube abzusetzen und nach BDP zurückzukehren. Im März 1949 wurde den Deutschen das jugoslawische Staatsbürgerrecht angeboten. Georg lehnte diese ab, um dem Wehrdienst in Titos Armee zu entgehen. Er blieb staatenlos mit späterem erfreulichem Vorteil: als Staatenloser konnte er mit Zuzugsgenehmigung nach Deutschland ausreisen. Im April 1950 erreichte er Karlsruhe bzw. Leopoldshafen. Bemerkenswert seine Aussage: „Die Trauer um die verlorene Heimat war nicht groß. Ich hatte erlebt, wie alles zu Grunde ging“.

Fortan pflegte er dennoch die Heimatverbundenheit. Er engagierte sich in der Verbandsarbeit, wurde Vorsitzender der Ortsgruppe Eggenstein, erster Vorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben im RB Karlsruhe und ab März 1997 Vorsitzender der HOG Kischker. Er blieb der alten Heimat treu verpflichtet und wuchs zugleich in die neue Heimat hinein. Dieses Sowohl- als- auch charakterisiert  Georg Demand. Er übernahm Aufgaben in Eggenstein als Führer durch das Heimatmuseum, als Feuerwehrmann, als Sammler heimatgeschichtlichen Materials, als Zuarbeiter für das Badische Gemeindearchiv. Unüberschaubar die Schriften, Dokumente, Bücher zur Geschichte der Donauschwaben. All diese ehrenamtlichen Tätigkeiten – neben seinem Brotberuf, dem eines Berufsfeuerwehrmannes am Kernforschungszentrum Karlsruhe –  vollgültig zu erfüllen, war gewiss nur mit einer starken Frau an seiner Seite möglich, Elisabeth Schade aus Siwatz und beider Adoptivtochter Heike. Als geselliger, humorvoller Freund, der bei Treffen mit Freude Gedichte rezitierte, bleibt er uns in Erinnerung, bleibend hochgeachtet.

Georg Demand lebte räumlich gesehen dual, in der Batschka und in Baden, zeitlich dreidimensional als Bewahrer – Wächter  – Vorsorger, ein Feuerwehrmann im doppelten Wortsinn, ein Wortführer, der für gesellschaftlichen, wie landsmannschaftlichen Zusammenhalt sorgte.

Sebastian Gerber Juni 2020 

 2VERANSTALTUNGEN 2020

                  

Einladung zum Kirchweihtreffen 202? 

Leider wurde unser Kirchweih-Treffen für dieses Jahr abgesagt. Ob eine Kranzniederlegung am Denkmal stattfindet steht noch nicht fest.

                                                                 Kischkerner Kirchweih

-  76 J a h r e  -

nach der Vertreibung

am Samstag, dem ??. Oktober 2020 - ab 10:00 Uhr

in der BADNERLANDHALLE  - Hardt-Stube - 

                                             Karlsruhe-Neureut                                                                                                           

                 Bitte  sagt es weiter! 

 

                              Am 09. Oktober 2020 werden es 76 Jahre, dass die erste  Wagenkolonne  Kischker verließ.
                                     Die Flucht mit Auflösung der Gemeinde begann. Das Unheil  nahm seinen Lauf.
  So ist der Kirchweihtag auch zu einem besonderen Gedenktag für uns Kischkerer geworden.

 

Verlauf des Treffens: 

10.00 Uhr   Öffnung der Hardtstube  

                   Beginn des Kirchweihtreffens der Kischkerer Landsleute, Schulkameradentreffen verschiedener Jahrgänge 

12.00 Uhr   Gemeinsames Mittagessen in der BADNERLANDHALLE –Hardtstube- 

13:00 Uhr   Offizielle Begrüßung durch unseren Vorsitzenden Andreas Klein  

14:30 Uhr   Fahrt zum Kischkerer Gedenkstein auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe-Neureut. 

15:00 Uhr  Totengedenken mit Kranzniederlegung am Kischkerer Gedenkstein.

                  anschließend gemütliches Beisammensein bei Kaffee  und  Kuchen, wieder in der Hardtstube.

Schluss gegen 17:00 Uhr.  

 75 Jahre nach Flucht und Austreibung   2019

Sebastian Gerber 

Das alljährliche Kirchweihtreffen der Kischkerer am 12. Oktober hatte ein großes Thema: Die Flucht aus der Heimat vor 75 Jahren.

Andreas Klein, Vorsitzender der HOG, konnte in der Badnerlandhalle in Neureut immerhin noch 40 Landsleute begrüßen. Über die dramatischen Ereignisse im Oktober 1944 und deren Vorgeschichte referierte Sebastian Gerber. Er zog die Linie vom Friedensdiktat von Trianon 1920 bis hin zum Aufbruch der Trecks aus dem Dorf. Schon während des Ersten Weltkrieges kursierten in Jugoslawien Eroberungs- und Vertreibungspläne, dokumentiert in einem Elaborat von 1916.

Die „Slawisierung des Bodens“ wurde in der Zwischenkriegszeit unter dem Deckmantel der Agrarreform betrieben. Merkenswert ist die Tatsache, dass die Vojvodina schon ab dem 10. Jahrhundert königlich-ungarisches, zuletzt nach den Türkenkriegen, kaiserliches Kronland war und dass Serben als Migranten aus dem Osmanischen Reich in der K.u.K.-Monarchie aufgenommen wurden. Dies war gewissermaßen der 1. Serbenzug, dem noch zwei weitere in der Zwischenkriegs- und in der Nachkriegszeit folgten.

Der Krieg zwischen Deutschland und Jugoslawien führte nach dem Bruch des Neutralitätspaktes von 1941 durch Jugoslawien zur Eskalation.

Gleichlautende Konferenzbeschlüsse aller Parteien einschließlich der Partisanen besiegelten die Vertreibung, Enteignung und Entrechtung aller Deutschen in Jugoslawien.

Der Aufbruch aus der Batschka verlief 1944 ohne offiziellen Evakuierungsplan, wie es sie in Syrmien und im Banat gab. Um den 7. Oktober gab es ein Treffen der Volksgruppenführer Basch und Janko in Sombor. Daraufhin erteile Basch dem Gebietsführer der Batschka Spreitzer die Weisung, den Aufruf zur Evakuierung an die Ortsgruppenführer hinauszugeben. Am 8. Oktober erfolgte von der Kreisleitung in Werbaß der Auftrag an der Kulturobmann Heinrich Schmidt, mit allen Bürgern den Ort zu verlassen. Am Beispiel der Gemeinden Jarek, Bulkes und Kischker ist die verworrene Situation aufzuzeigen: während aus Jarek 96% der Einwohner flüchteten, waren es in Bulkes nur 16%, in Kischker immerhin noch 58%.

Christian Demand und Jakob Schmidt sprachen als Zeitzeugen über eigene Erlebnisse, über die Auseinandersetzungen in den Familien und im Dorf, über der Frage, bleiben oder gehen.

Die Entscheidung war bald eine Kopf – bald eine Bauchentscheidung.

Die Brandstiftung durch Partisanen in der Frankschen Hanffabrik war ein eindeutiges Alarmzeichen.

Kischker bleibt ein Thema. Unsere Geschichte wie die Geschichte der Donauschwaben darf nicht in Vergessenheit geraten, indem sie von den Medien nicht in die Öffentlichkeit getragen wird, im Unterricht kaum behandelt wird und letztlich auch von der Politik übergangen ist.

Karoline Hartmann geb. Falkenstein, unsere Seniorin, Jahrgang 1920, berührte alle mit ihrem eigenen Gedicht „Aus der Batschka“, eine Liebeserklärung an die verlorene Heimat.

Komplettiert wurde die Gedenkstunde durch den vormaligen Ortvorsteher von Neureut, Herrn Jürgen Stober: Die Aufnahme der vielen Flüchtlinge 1945/46 war eine Herkulesaufgabe für die Verwaltung wie für die Bevölkerung. Wohnungszwangswirtschaft war angeordnet. Die Flüchtlinge wurden einquartiert – nicht in Lager! – und dadurch eingegliedert, um nach und nach mit den Alteingesessenen zusammenzuwachsen. Eine Gemeinschaftsleistung in größter Not, die immer gewürdigt werden muss. Auf einem ehemaligen Truppenübungsgelände nahe Neureut setzte noch 1948 eine rege Bautätigkeit ein, in Eigenleistung entstand ein neuer Ortsteil, die Kirchfeld-Siedlung.

Wir Flüchtlinge der Jahre 1945/1946 – Rückkehrer! – hielten, was wir in der Charta der Vertriebenen am 5. August 1950 feierlich erklärt hatten: „Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist“.

Dem An-Denken an die Flucht folgte das Totengedenken am Kischkerer Gedenkstein auf dem Neureuter Friedhof. Andreas Klein sprach im Namen aller: „Wir sind hier versammelt, um unserer Toten zu gedenken, aller unserer Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung“. Gerhard Dietrich legte wie in all den Jahren zuvor seinen Kranz nieder. Das Gedicht „Die Toten“ von Manfred Kyler, gesprochen von Sebastian Gerber, war das angemessene Trostwort.

 

Die Feierstunde endete mit dem gemeinsam gesungenen Choral: „Großer Gott wir loben dich“. 

 

  

3. Nachruf für Erich Gerber 2017

 

Erich50

Erich Gerber verstarb am 31. August dieses Jahres in seinem 76. Lebensjahr. Ein Wort von J.A. Bengel trug ihn in seiner letzten Lebenszeit: Gott hilft uns nicht am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch.

Der Trauergottesdienst für ihn am 9. September stand unter dem analogen Trostwort aus Psalm 68,20: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

1942 in Kisker – die Batschka war wieder ungarisches Staatsgebiet – geboren, war er wie vor allem die Kleinkinder in den Jahren der Flucht und Vertreibung ab Oktober 1944 höchst gefährdet, bis seine Familie zusammen mit vielen Landsleuten im Juli 1946 im Raum Karlsruhe, in Diedelsheim eine neue Heimat fand.

Danach begann ein geregeltes, relativ normales Leben mit Schulbesuch, Abitur, Studium und einem über 40-jährigen Schuldienst. Danach übernahm er nach und nach öffentliche, ehrenamtliche Aufgaben in den verschiedensten Bereichen: In seiner Kirchengemeinde bis in den Sommer dieses Jahres, im Volleyballsport als Spieler und Schiedsrichter mit Einsätzen in allen Ligen bis in die Volleyball-Bundesliga, als qualifizierter Sänger in Chören und Ensembles, in der Landesjugendkantorei Baden sowie dem Motettenchor an der Stadtkirche Pforzheim. Er verkörperte das Ideal eines Lehrers, der Sport, Musik und Bildung als ein Ingesamt verantwortungsvoll praktizierte.

Nach seiner Pensionierung 2006 intensivierte er seinen Einsatz für seine Heimatgemeinde Kisker. Zusammen mit Gerhard Dietrich führte er die Geburtstagsliste der weltweit zerstreuten Kiskerer und veröffentlichte diese in den “Mitteilungen für die Donauschwaben“, gleichfalls die Namen der Verstorbenen.

Das noch größere Ganze, nämlich die allumfassende Wirklichkeit der Lebenden und der Toten fand ihre Festschreibung im Ortfamilienbuch “Kischker in der Batschka, 1786-1944“. Zusammen mit Johann Lorenz unter partieller Mitarbeit längst Verstorbener, legte er 2008 das in mühsamster Kleinarbeit entstandene Standardwerk als zeitloses Dokument, als skriptuales Denkmal vor. Mit diesem Werk hat er sich in herausragender Weise verdient gemacht und seinen bleibenden Platz in der Ortsgeschichte Kisker gefunden.

Ob die von ihm konzipierte Memorandum-Tafel im heutigen Backo-Dobro-Polje dauerhaft die heutigen Bewohner an die ehemals deutsche Bevölkerung erinnern werden, bleibt zu hoffen. Bis an seinen letzten Lebenstag glaubte Erich Gerber an der für Oktober 2017 geplanten 4. Batschkareise teilnehmen zu können.

 

Der Herr über Zeit und Ewigkeit hat ihn zu früh aus seinem reich erfüllten Leben  abgerufen.

 

 Nicht das Freuen, nicht das Leiden stellt den Sinn des Lebens dar.

 Immer nur wird das entscheiden, was der Mensch dem Menschen war.

 

Sebastian Gerber, Bretten 2017

  

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Dem Gedenken an Wilhelm Schwepler 2018

Wilhelm Schwepler, Jahrgang 1936, zählt zu den donauschwäbischen Kindern, die in den Jahren 1944 – 1947 in den Todeslagern der Batschka ein extrem schweres Schicksal erlitten.

Geboren in Kischker als Sohn von Wilhelm Schwepler, gefallen 1942 in Russland und dessen Ehefrau Katharina, geb. Hütter -nicht geflüchtet- wurden beide Großväter sowie die Großmutter Hütter von den Titopartisanen zusammen mit vielen anderen ermordet. Mit seiner Mutter, seiner Großmutter Schwepler und seiner Schwester Wilhelmine, Jahrgang 1942, überlebte er das Arbeitslager Kruschiwel. Nach der gelungenen Flucht über die ungarische Grenze gelangte die Familie über Thening bei Linz 1947 über das Auffanglager Moschendorf nach Greiz in Thüringen.

Wilhelm besuchte in Greiz die Grund- und Oberschule bis zum Abitur 1956. Danach begann er an der Universität Leipzig ein Pädagogikstudium, das er 1959 als Lehrer für Geschichte und Geographie beendete. Die ersten Dienstjahre arbeitete er als Fachlehrer an der Pestalozzischule in Greiz.

1964 heiratete er die Buchhändlerin Heidi Höhn. Dem Paar wurden zwei Kinder geschenkt, Jens-Uwe und Alexandra.

Seine in frühen Lebensjahren ausgebildete Lebenseinstellung war mit der herrschenden Ideologie des SED-Staates nicht vereinbar. Eine Mitgliedschaft in der SED war aber Bedingung für den beruflichen Aufstieg. Weil er diese konsequent ablehnte, erfolgte die Versetzung in die Pampa, nach Culmitzsch im Gebiet des sowjetischen Uranerzabbaues gelegen, wo er letztlich als Direktor die Abwicklung seiner Schule zu organisieren hatte. 1969 hatte er –wieder unter der Voraussetzung des Parteieintrittes – die Möglichkeit, die Schulleitung einer Schule in Greiz zu übernehmen. Treu seiner Überzeugung entschied er sich als einfacher Lehrer an die Polytechnische Oberschule nach Gera zu wechseln. Dort arbeitete er viele Jahre als allseits geschätzter Lehrer, ob seiner Fachkompetenz, Kommunikationsbereitschaft und Unternehmungslust. Nach dem Ende seiner Berufstätigkeit lebte er zurückgezogen in Gera.

     Wilhelm Schwepler verstarb an 16. Juli 2018.

Ein kenntnisreicher, viel geprüfter, lebensbejahender Zeitzeuge ist verstummt. Seine Standfestigkeit, seine Haltung, sein Einsatz in den Wirren einer bösen Zeit bleibt vorbildlich.

Seine letzte Ruhestätte hat er nun in Greiz gefunden.

 

Sebastian Gerber, Bretten 2018

 4. Ahnendenkmal in Kischker in neuem Glanz

  

Ahnendenkmal 2017

                                                                                        Foto: Werner Neumann, Okt. 2017

 

Links im Hintergrund an der Kirchhofmauer sehen sie eine von

Erich Gerber konzipierte Memorandum-Tafel.  

Eine hängt auch in der Gaststätte im ehemaligen Lutherheim,

eine weitere im Museum in Werbaß, und eine im Haus St. Gerhard in Sombor.

 

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Memorandum-Tafel

 

 

 

 

5. Robert Lahr - Ahnendenkmal 

Bei seinem letzten Besuch in Serbien im Mai 2016 konnte sich Robert Lahr, von der gelungenen Renovierung des Ahnendenkmals auf dem Kischkerer Friedhof überzeugen. Eine frisch aufgetragene Schutzschicht verleiht dem 2013 wieder errichteten Ahnen-denkmal von 1936 neuen Glanz. So ist die Inschrift viel besser lesbar als zuvor. Text der Inschrift siehe unter Reisebericht 2013.

Immer wieder sind Maßnahmen zum Erhalt des Andenkens an unsere Ahnen erforderlich. Das kostet. Deshalb rufe ich Kischkerer Landsleute in aller Welt und der Donauschwäbischen Geschichte wohlgesonnene Menschen zu einer Geldspende für die Erhaltung der Denkmäler in Kischker auf.
 

Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe. Erich Gerber †2017 

 

Spende bitte an:  

Für eine Spende bitte mit Werner Neumann - 03w-neumann@web.de - Verbindung aufnehmen,

der dann Kontakt mit dem

Vorsitzenden des Heimatorts-Ausschusses und Kassier Andreas Klein herstellt. 

Verwendungszweck:       "Spende für die Pflege und Erhaltung der Kischkerer Denkmäler" 

6.   Dr. Elisabeth Hütter, Kunsthistorikerin zum 95. Geburtstag - 2015 

Am 21. März  feierte Dr. Hütter in Berlin ihren 95. Geburtstag. In Kischker (damals Maliker, heute Backo Dobro Polje) 1920 geboren, wurde sie geprägt durch eine mehr- sprachige Welt, überlebte selbst betroffen den Untergang der deutschen Bevölkerung in der Batschka. Auch ihre Eltern fielen wie viele andere Donauschwaben den Mord- kommandos der Tito-Partisanen zum Opfer. Dass ihr Dorfnachbar und Inspirator Adam Fath auf der Flucht bei der Bombardierung Dresdens ums Leben kam, sie selbst aber nach Kriegsende, nach Abitur und Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Jena und Leipzig ihre Lebensaufgabe in Dresden fand, sind mysteriöse Schicksalslinien.

 

Ihren Weg in das Dresdner Institut für Denk- malpflege ebnete ihr Dr. Fritz Löffler. Neben diesem avancierte sie unter Chef-Konservator Dr. Ing. Hans Nadler, Ehrenbürger Dresdens, als einzige Frau in einer wissenschaftlichen Führungsposition am Institut. Über das 26-jährige Berufsleben hinaus hat sich Elisabeth Hütter für die wissenschaftlich begründete, der Qualität der Denkmalpflege gemäße Konservierung und Restaurierung überlieferter Zeugnisse von Kunst und Kultur eingesetzt. Sie hat neue Methoden der Bestandsanalyse erarbeitet, diese in die Praxis eingeführt und dazu beigetragen, dass die restaurierten Denkmale im Bestand gesichert der Nachwelt erhalten bleiben. "Mit Geradlinigkeit und neuen Methoden" titelte die "Dresdner Zeitung" folgerichtig anlässlich ihres 90. Geburtstages.

 

Ihre Leipziger Diplomarbeit von 1956 behan- delt die Universitätskirche St. Pauli in Leip- zig, desgleichen ihre Dissertation von 1961. Diese Arbeit über das bereits zum Untergang verurteilte Bauwerk durfte damals nicht ver- öffentlicht werden. Erst 1993 widerfuhr Elisa- beth Hütter die Genugtuung einer seriösen Publikation dieser Arbeit, bis heute die wich- tigste wissenschaftliche Dokumentation für die 1968 gesprengte Universitätskirche.

 

Aus der Hand des Bundespräsidenten Roman Herzog empfing sie 1995 in Anerkennung ihrer Verdienste um die Denkmalpflege das Bundesverdienstkreuz.

 

Im Laufe der Jahrzehnte hat Elisabeth Hütter die Restaurierung zahlreicher Baudenkmale und Kunstwerke in Sachsen betreut, so sind auszugsweise zu nennen: Leipzig, Thomaskirche, Innenraumerneuerung und die letztendliche Umbettung der Gebeine Johann Sebastian Bachs im Chorraum; Meißen, Dom und Albrechtsburg, Außeninstand-setzung und Erneuerung von Innenräumen; Freiberg, Dom, Goldene Pforte; Dresden, Zwinger, Porzellansammlung, Bogengalerie-Restaurierung. Als eine ihrer wesentlichsten Leistungen wird die Wiederherstellung des Wechselburger Lettners in die Geschichte der Sächsischen Denkmalpflege eingehen. Niemand anderes hätte - so Heinrich Magirius - eine solche Aktion damals durchzukämpfen vermocht.

 

Seit der Pensionierung in Berlin ansäs- sig, ist Dresden ihre eigentliche Heimat geblieben. Davon zeugt nicht zuletzt die Betreuung der Wiederherstellung der Ka- tholischen Hofkirche, wo die Rekon-struktion der Sakramentskapelle und der Kanzel von ihr wesentlich mitbestimmt worden ist. In den Jahren 1971-1976 er- folgte die Wiederherstellung der St. Johann-Nepomuk-Kapelle mit einer Um- widmung zur Gedächtniskapelle für die Opfer des 13. Februar 1945 und aller ungerechter Gewalt, mit der Pietà - aus Meißner Porzellan - von Friedrich Press. Die Idee zu dieser Gestaltung wurde im Februar 1970 von Elisabeth Hütter und Dr. Siegfried Seifert geboren. Für den Verfasser dieses Berichtes zählen zu den Opfern von ungerechter Gewalt die unbedachten vergessenen Toten des Straßenverkehrs.

 

Selbstachtung und Geradlinigkeit in der DDR, beobachtet und bespitzelt vom Staats-sicherheitsdienst, war nicht jedermanns Sache. Elisabeth Hütter blieb für die oberste Leitung in Berlin unbequem und verdächtig. Wie gefährdet sie war, erkannte sie erst mit der Einsicht in die Stasiunterlagen zu ihrer Person. Sie fühlte sich fast zerrissen - sagt sie - von den künstlerischen Kostbarkeiten auf der einen Seite und der häufigen, als Demütigung empfundenen "Rotlichtbestrahlung" durch die Staatspartei. "Das war nur aus- zuhalten, indem man sich in die geistige Welt rettete, in die fernen Bilder und in die Arbeit. Das war die Möglichkeit, einigermaßen zu bestehen und die Freiheit eines Chris-tenmenschen schlecht und recht zu praktizieren."

 

In unserer Zeit ist Dresden ganzjährig voller Touristen, die sich an Schönheit und Glanz der Stadt erfreuen. Der Verfasser dieses Berichtes erlebte als Kind im Februar 1945 die ausgebrannte Stadt. Er durfte Elisabeth Hütter Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger viele Tage lang bei ihrer Arbeit in Kirchen, Klöstern und Schlössern begleiten und erleben, unter welchen politischen Bedingungen, unter wieviel extremem Mangel an Material, Gerät und Personal, gegen äußere Widerstände die wenigen Kunsthistoriker und Restauratoren mutig arbeiteten, um das restliche kulturelle Erbe zu retten.

 

Die Erinnerung an Persönlichkeiten wie Prof. Dr. Heinrich Magirius, Matthias Schulz, Helmar Helas und eben Elisabeth Hütter u. a. ist geboten. Die heutigen Besucher, welche die verwüstete Stadt, die Ruine der Frauenkirche, in der die Karnickel hausten, nicht kennen können, sollten wissen, wer sich um den Wiederaufbau der Schönheit des historischen Sachsen bleibend verdient gemacht hat.

                                                                                      Sebastian Gerber, Bretten 

 7.   Nachruf für Frau Dr. Elisabeth Hütter

Zwei Monate nach Vollendung ihres 95. Geburtstages verstarb Frau Dr. Elisabeth Hütter am 23. Mai 2015 in Berlin. Im Kreis ihrer Familie Schwepler - Reinicke, ihrer Freunde und engsten Mitarbeiter aus der Zeit ihrer beruflichen Tätigkeit als Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin am Institut für Denkmalpflege Dresden fand sie ihre letzte Ruhestätte im thüringischen Greiz, in dem Ort, wo sie in den Wirren der Endphase des Zweiten Weltkrieges Zuflucht gefunden hatte. 

Von dort aus - schon immer bildungshungrig - gelangte sie über die wieder aufgebaute Universität Jena bald ins Kunsthistorische Seminar an der Universität Leipzig. Bei der Diplomarbeit und Dissertation zum Thema der Baugeschichte der Universitätskirche zu Leipzig trat sie in Kontakt mit dem für Leipzig zuständigen Institut für Denkmalpflege in Dresden und dessen Repräsentanten Hans Nadler und Fritz Löffler. 

In Dresden begann und vollendete sie eine beispielhafte berufliche Laufbahn, einen Denk- und Lebensweg als stimmige Einheit mit einer beeindruckenden Lebensleistung, welche über ihren Tod hinaus zeitlos von Bedeutung bleiben wird. Allein schon darum, weil es ihr gelang, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass Architektur und Plastik der Vergan-genheit erst durch ihre farbige Fassung Eigenart und Ausstrahlung erhält, dass Farbe erst Sinn stiftet. 

Mit Elisabeth Hütter verliert die Denkmalpflege eine Repräsentantin von internationalem Rang, die Donauschwaben eine der letzten Zeitzeugen des Dorfes Kischker in der Batschka und des wechselvollen 20. Jahrhunderts. Den kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt ihres Heimatortes erlebte sie bewusst in den 30er Jahren. Als Aktive gestaltete sie die Festlichkeiten zum 150sten Gründungsjubiläum 1936 mit. Keine zehn Jahre später endete die Geschichte des Dorfes wie die der Donauschwaben gewaltsam. 

Elisabeth Hütter hatte sich als Jugendliche beispiellos emanzipiert von den Zwängen, dem sozialen Druck, aber bis zuletzt immer voll der Anteilnahme am Schicksal ihrer Landsleute, leidend, trauernd, liebend, den Überlebenden verbunden. Die Kischkeriana wurde in ihren letzten Lebensjahren für sie das Hauptthema. Alle Gespräche führte sie bis zuletzt in voller Konzentration und mit überschießendem Temperament als kämpferische Anwältin des Schönen und Idealen. Das Außergewöhnliche dieser Persönlichkeit ist angemessen mit Hölderlin zu fassen: "O ihr, die ihr das Höchste und Beste sucht in den Tiefen des Wissens, im Getümmel des Handelns, im Dunkel der Vergangenheit, im Labyrinth der Zukunft, in den Gräbern oder über den Sternen! Wisst ihr seinen Namen, den Namen des, das Eins ist und Alles? Sein Name ist Schönheit." 

Sie ist uns Gegenwärtigen unerreichbar geworden. Ihrer Verdienste, all ihrer Hilfe dankbar zu gedenken, ist uns selbstverständlicher Auftrag der Verewigten gegenüber.

                                                                                        

Sebastian Gerber, Bretten  

8.   Kischker-Gedenkstein auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe - Neureut,

 um Glasgefäß mit Heimaterde ergänzt

Seit der Kirchweihfeier am 6. Oktober 2007 ist am Gedenkstein Kischker auf dem Haupt-Friedhof in Karlsruhe-Neureut ein Gefäß mit Heimaterde vom Massengrab am Kischkerer Bahnhof auf einem von Landsmann Jakob Enzminger - * 1935,    - kunstvoll gefertigten Metall-Gestell angebracht. Die Erde wurde von den Eheleuten Jakob und Erika Enzminger und den Zwillingen Georg   Bechtold   und  Rosina  Bechtold (* 1934) anlässlich ihres Besuches der alten Heimat im Mai 2007 nach Deutschland mitgebracht.

  

 

 

   

     

 9.     Heimatlied von Kisker

Heimatlied von Kisker

Du liebes Dörflein im Batschkeerlend,
warst meine Heimat, als Kisker wohlbekannt.
Die trauten Gassen, geh´n mir nicht aus dem Sinn,
weil ich in Träumen, noch immer noch bei dir bin.
Weil ich in Träumen noch immer bei dir bin.

Kehrreim: Sei gegrüßt aus weiter Ferne.
                   Sei gegrüßt viel tausendmal....
                   Ach wie denk` ich an dich noch so gerne.
                   wir mußten ziehen über Berg und Tal.

Wir mussten fliehen, von Hab und Gut.
Die Ahnen gaben, einst ihren Schweiß und Blut.
Ruh´n unvergessen, sehr weit in jenem Ort,
den wir verlassen, aus Angst, die trieb uns fort.
Den wir verlassen, aus Angst, die trieb uns fort.

Kehrreim: Sei gegrüßt...

Mit Pferd und Wagen, da ging es hinaus.
Durch fremde Auen, nichts war wir einst Zuhaus.
Ganz ohne Hoffnung, das Ziel stets unbekannt,
trieb es uns weiter, durch Krieg und fremdes Land.
Trieb es uns weiter, durch Krieg und fremdes Land.

Kehrreim: Sei gegrüßt...   

Wir zogen ruh´los durch Felder und Wald,
wohin wir kamen, die Welt war fremd und kalt.
Die Räder rollten, stets weiter ohne Rast,
viel Not und Elend, war nun bei uns zu Gast.
Viel Not und Elend, war nun bei uns zu Gast.

Kehrreim: Sei gegrüßt...   

Es trüben Trauer und Heimweh den Blick,
längst war verloren, das teure Heimatglück.
Wo wir geboren, verbracht die Jugendzeit.
Du liebes Kisker. du bist so weit – so weit.
Du liebes Kisker. du bist so weit – so weit.

Kehrreim: Sei gegrüßt...   

Wir zogen weiter, von Ost nach West.
Im Heimatglauben, bleiben wir treu und fest.
Der Herr im Himmel, mit segensreicher Hand,
führte uns treulich, zurück ins Mutterland.
Führte uns treulich, zurück ins Mutterland.

Kehrreim: Sei gegrüßt...                                                Ch.B./ h.e.

  

Hilfe! Wer kann Angaben zur Melodie machen? Bitte unter der Mailadresse melden.

E-Mail: 03w-neumann@web.de