Nachruf für Erich Gerber

 

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Erich Gerber verstarb am 31. August dieses Jahres in seinem 76. Lebensjahr. Ein Wort von J.A. Bengel trug ihn in seiner letzten Lebenszeit: Gott hilft uns nicht am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch.

Der Trauergottesdienst für ihn am 9. September stand unter dem analogen Trostwort aus Psalm 68,20: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

1942 in Kisker – die Batschka war wieder ungarisches Staatsgebiet – geboren, war er wie vor allem die Kleinkinder in den Jahren der Flucht und Vertreibung ab Oktober 1944 höchst gefährdet, bis seine Familie zusammen mit vielen Landsleuten im Juli 1946 im Raum Karlsruhe, in Diedelsheim eine neue Heimat fand.

Danach begann ein geregeltes, relativ normales Leben mit Schulbesuch, Abitur, Studium und einem über 40-jährigen Schuldienst. Danach übernahm er nach und nach öffentliche, ehrenamtliche Aufgaben in den verschiedensten Bereichen: In seiner Kirchengemeinde bis in den Sommer dieses Jahres, im Volleyballsport als Spieler und Schiedsrichter mit Einsätzen in allen Ligen bis in die Volleyball-Bundesliga, als qualifizierter Sänger in Chören und Ensembles, in der Landesjugendkantorei Baden sowie dem Motettenchor an der Stadtkirche Pforzheim. Er verkörperte das Ideal eines Lehrers, der Sport, Musik und Bildung als ein Ingesamt verantwortungsvoll praktizierte.

Nach seiner Pensionierung 2006 intensivierte er seinen Einsatz für seine Heimatgemeinde Kisker. Zusammen mit Gerhard Dietrich führte er die Geburtstagsliste der weltweit zerstreuten Kiskerer und veröffentlichte diese in den “Mitteilungen für die Donauschwaben“, gleichfalls die Namen der Verstorbenen.

Das noch größere Ganze, nämlich die allumfassende Wirklichkeit der Lebenden und der Toten fand ihre Festschreibung im Ortfamilienbuch “Kischker in der Batschka, 1786-1944“. Zusammen mit Johann Lorenz unter partieller Mitarbeit längst Verstorbener, legte er 2008 das in mühsamster Kleinarbeit entstandene Standardwerk als zeitloses Dokument, als skriptuales Dokument vor. Mit diesem Werk hat er sich in herausragender Weise verdient gemacht und seinen bleibenden Platz in der Ortsgeschichte Kisker gefunden.

Ob die von ihm konzipierte Memorandum-Tafel im heutigen Backo-Dobro-Polje dauerhaft die heutigen Bewohner an die ehemals deutsche Bevölkerung erinnern werden, bleibt zu hoffen. Bis an seinen letzten Lebenstag glaubte Erich Gerber an der für Oktober 2017 geplanten 4. Batschkareise teilnehmen zu können.

 

Der Herr über Zeit und Ewigkeit hat ihn zu früh aus seinem reich erfüllten Leben  abgerufen.

 

 Nicht das Freuen, nicht das Leiden stellt den Sinn des Lebens dar.

 Immer nur wird das entscheiden, was der Mensch dem Menschen war.

 

 

Sebastian Gerber, Bretten

 

 

 

    

Ahnendenkmal in Kischker in neuem Glanz

 

Ahnendenkmal 2017

                                                                                      Foto: Werner Neumann, Okt. 2017

 

Links im Hintergrund an der Kirchhofmauer sehen sie die von Erich Gerber     konzipierte Memorandum-Tafel.

 

Bei seinem letzten Besuch in Serbien im Mai 2016 konnte sich Robert Lahr, Sonder-beauftragter Humanitäre Hilfe "Donauschwaben" in der Provinz Vojvodina, von der gelungenen Renovierung des Ahnendenkmals auf dem Kischkerer Friedhof überzeugen. Eine frisch aufgetragene Schutzschicht verleiht dem 2013 wieder errichteten Ahnen-denkmal von 1936 neuen Glanz. So ist die Inschrift viel besser lesbar als zuvor. Text der Inschrift siehe unter Reisebericht 2013.

Immer wieder sind Maßnahmen zum Erhalt des Andenkens an unsere Ahnen erforderlich. Das kostet. Deshalb rufe ich Kischkerer Landsleute in aller Welt und der Donauschwäbischen Geschichte wohlgesonnene Menschen zu einer Geldspende für die Erhaltung der Denkmäler in Kischker auf. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe.

 

Spenden bitte an den 1. Vorsitzender des Heimatortsausschusses richten:

Andreas Klein

Zedernweg 21, 76149 Karlsruhe,

 Tel.: 0049 721 706809 

                                                      Verwendungszweck: 

"Spende für Renovierung  am Kischkerer Ahnendenkmal"

 


Dr. Elisabeth Hütter, Kunsthistorikerin,

zum 95. Geburtstag - 2015

 

Am 21. März  feierte Dr. Hütter in Berlin ihren 95. Geburtstag. In Kischker (damals Maliker, heute Backo Dobro Polje) 1920 geboren, wurde sie geprägt durch eine mehr- sprachige Welt, überlebte selbst betroffen den Untergang der deutschen Bevölkerung in der Batschka. Auch ihre Eltern fielen wie viele andere Donauschwaben den Mord- kommandos der Tito-Partisanen zum Opfer. Dass ihr Dorfnachbar und Inspirator Adam Fath auf der Flucht bei der Bombardierung Dresdens ums Leben kam, sie selbst aber nach Kriegsende, nach Abitur und Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Jena und Leipzig ihre Lebensaufgabe in Dresden fand, sind mysteriöse Schicksalslinien.

 

Ihren Weg in das Dresdner Institut für Denk- malpflege ebnete ihr Dr. Fritz Löffler. Neben diesem avancierte sie unter Chef-Konservator Dr. Ing. Hans Nadler, Ehrenbürger Dresdens, als einzige Frau in einer wissenschaftlichen Führungsposition am Institut. Über das 26-jährige Berufsleben hinaus hat sich Elisabeth Hütter für die wissenschaftlich begründete, der Qualität der Denkmalpflege gemäße Konservierung und Restaurierung überlieferter Zeugnisse von Kunst und Kultur eingesetzt. Sie hat neue Methoden der Bestandsanalyse erarbeitet, diese in die Praxis eingeführt und dazu beigetragen, dass die restaurierten Denkmale im Bestand gesichert der Nachwelt erhalten bleiben. "Mit Geradlinigkeit und neuen Methoden" titelte die "Dresdner Zeitung" folgerichtig anlässlich ihres 90. Geburtstages.

 

Ihre Leipziger Diplomarbeit von 1956 behan- delt die Universitätskirche St. Pauli in Leip- zig, desgleichen ihre Dissertation von 1961. Diese Arbeit über das bereits zum Untergang verurteilte Bauwerk durfte damals nicht ver- öffentlicht werden. Erst 1993 widerfuhr Elisa- beth Hütter die Genugtuung einer seriösen Publikation dieser Arbeit, bis heute die wich- tigste wissenschaftliche Dokumentation für die 1968 gesprengte Universitätskirche.

 

Aus der Hand des Bundespräsidenten Roman Herzog empfing sie 1995 in Anerkennung ihrer Verdienste um die Denkmalpflege das Bundesverdienstkreuz.

 

Im Laufe der Jahrzehnte hat Elisabeth Hütter die Restaurierung zahlreicher Baudenkmale und Kunstwerke in Sachsen betreut, so sind auszugsweise zu nennen: Leipzig, Thomaskirche, Innenraumerneuerung und die letztendliche Umbettung der Gebeine Johann Sebastian Bachs im Chorraum; Meißen, Dom und Albrechtsburg, Außeninstand-setzung und Erneuerung von Innenräumen; Freiberg, Dom, Goldene Pforte; Dresden, Zwinger, Porzellansammlung, Bogengalerie-Restaurierung. Als eine ihrer wesentlichsten Leistungen wird die Wiederherstellung des Wechselburger Lettners in die Geschichte der Sächsischen Denkmalpflege eingehen. Niemand anderes hätte - so Heinrich Magirius - eine solche Aktion damals durchzukämpfen vermocht.

 

Seit der Pensionierung in Berlin ansäs- sig, ist Dresden ihre eigentliche Heimat geblieben. Davon zeugt nicht zuletzt die Betreuung der Wiederherstellung der Ka- tholischen Hofkirche, wo die Rekon-struktion der Sakramentskapelle und der Kanzel von ihr wesentlich mitbestimmt worden ist. In den Jahren 1971-1976 er- folgte die Wiederherstellung der St. Johann-Nepomuk-Kapelle mit einer Um- widmung zur Gedächtniskapelle für die Opfer des 13. Februar 1945 und aller ungerechter Gewalt, mit der Pietà - aus Meißner Porzellan - von Friedrich Press. Die Idee zu dieser Gestaltung wurde im Februar 1970 von Elisabeth Hütter und Dr. Siegfried Seifert geboren. Für den Verfasser dieses Berichtes zählen zu den Opfern von ungerechter Gewalt die unbedachten vergessenen Toten des Straßenverkehrs.

 

Selbstachtung und Geradlinigkeit in der DDR, beobachtet und bespitzelt vom Staats-sicherheitsdienst, war nicht jedermanns Sache. Elisabeth Hütter blieb für die oberste Leitung in Berlin unbequem und verdächtig. Wie gefährdet sie war, erkannte sie erst mit der Einsicht in die Stasiunterlagen zu ihrer Person. Sie fühlte sich fast zerrissen - sagt sie - von den künstlerischen Kostbarkeiten auf der einen Seite und der häufigen, als Demütigung empfundenen "Rotlichtbestrahlung" durch die Staatspartei. "Das war nur aus- zuhalten, indem man sich in die geistige Welt rettete, in die fernen Bilder und in die Arbeit. Das war die Möglichkeit, einigermaßen zu bestehen und die Freiheit eines Chris-tenmenschen schlecht und recht zu praktizieren."

 

In unserer Zeit ist Dresden ganzjährig voller Touristen, die sich an Schönheit und Glanz der Stadt erfreuen. Der Verfasser dieses Berichtes erlebte als Kind im Februar 1945 die ausgebrannte Stadt. Er durfte Elisabeth Hütter Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger viele Tage lang bei ihrer Arbeit in Kirchen, Klöstern und Schlössern begleiten und erleben, unter welchen politischen Bedingungen, unter wieviel extremem Mangel an Material, Gerät und Personal, gegen äußere Widerstände die wenigen Kunsthistoriker und Restauratoren mutig arbeiteten, um das restliche kulturelle Erbe zu retten.

 

Die Erinnerung an Persönlichkeiten wie Prof. Dr. Heinrich Magirius, Matthias Schulz, Helmar Helas und eben Elisabeth Hütter u. a. ist geboten. Die heutigen Besucher, welche die verwüstete Stadt, die Ruine der Frauenkirche, in der die Karnickel hausten, nicht kennen können, sollten wissen, wer sich um den Wiederaufbau der Schönheit des historischen Sachsen bleibend verdient gemacht hat.

                                                                                      Sebastian Gerber, Bretten 

 

 

 

Nachruf für Frau Dr. Elisabeth Hütter

 

Zwei Monate nach Vollendung ihres 95. Geburtstages verstarb Frau Dr. Elisabeth Hütter am 23. Mai 2015 in Berlin. Im Kreis ihrer Familie Schwepler - Reinicke, ihrer Freunde und engsten Mitarbeiter aus der Zeit ihrer beruflichen Tätigkeit als Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin am Institut für Denkmalpflege Dresden fand sie ihre letzte Ruhestätte im thüringischen Greiz, in dem Ort, wo sie in den Wirren der Endphase des Zweiten Weltkrieges Zuflucht gefunden hatte.

 

Von dort aus - schon immer bildungshungrig - gelangte sie über die wieder aufgebaute Universität Jena bald ins Kunsthistorische Seminar an der Universität Leipzig. Bei der Diplomarbeit und Dissertation zum Thema der Baugeschichte der Universitätskirche zu Leipzig trat sie in Kontakt mit dem für Leipzig zuständigen Institut für Denkmalpflege in Dresden und dessen Repräsentanten Hans Nadler und Fritz Löffler.

 

In Dresden begann und vollendete sie eine beispielhafte berufliche Laufbahn, einen Denk- und Lebensweg als stimmige Einheit mit einer beeindruckenden Lebensleistung, welche über ihren Tod hinaus zeitlos von Bedeutung bleiben wird. Allein schon darum, weil es ihr gelang, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass Architektur und Plastik der Vergan-genheit erst durch ihre farbige Fassung Eigenart und Ausstrahlung erhält, dass Farbe erst Sinn stiftet.

 

Mit Elisabeth Hütter verliert die Denkmalpflege eine Repräsentantin von internationalem Rang, die Donauschwaben eine der letzten Zeitzeugen des Dorfes Kischker in der Batschka und des wechselvollen 20. Jahrhunderts. Den kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt ihres Heimatortes erlebte sie bewusst in den 30er Jahren. Als Aktive gestaltete sie die Festlichkeiten zum 150sten Gründungsjubiläum 1936 mit. Keine zehn Jahre später endete die Geschichte des Dorfes wie die der Donauschwaben gewaltsam.

 

Elisabeth Hütter hatte sich als Jugendliche beispiellos emanzipiert von den Zwängen, dem sozialen Druck, aber bis zuletzt immer voll der Anteilnahme am Schicksal ihrer Landsleute, leidend, trauernd, liebend, den Überlebenden verbunden. Die Kischkeriana wurde in ihren letzten Lebensjahren für sie das Hauptthema. Alle Gespräche führte sie bis zuletzt in voller Konzentration und mit überschießendem Temperament als kämpferische Anwältin des Schönen und Idealen. Das Außergewöhnliche dieser Persönlichkeit ist angemessen mit Hölderlin zu fassen: "O ihr, die ihr das Höchste und Beste sucht in den Tiefen des Wissens, im Getümmel des Handelns, im Dunkel der Vergangenheit, im Labyrinth der Zukunft, in den Gräbern oder über den Sternen! Wisst ihr seinen Namen, den Namen des, das Eins ist und Alles? Sein Name ist Schönheit."

 

Sie ist uns Gegenwärtigen unerreichbar geworden. Ihrer Verdienste, all ihrer Hilfe dankbar zu gedenken, ist uns selbstverständlicher Auftrag der Verewigten gegenüber.

                                                                                        

Sebastian Gerber, Bretten 

 

 

 

  

Kischker-Gedenkstein auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe-Neureut um Glasgefäß mit Heimaterde ergänzt

 

Seit der Kirchweihfeier am 6. Oktober 2007 ist am Gedenkstein Kischker auf dem Haupt-friedhof in Karlsruhe-Neureut ein Gefäß mit Heimaterde vom Massengrab am Kischkerer Bahnhof auf einem von Landsmann Jakob Enzminger (* 1935) kunstvoll gefertigten Metall-Gestell angebracht. Die Erde wurde von den Eheleuten Jakob und Erika Enzminger und den Zwillingen Georg und  Rosina  Bechtold (* 1934) anlässlich ihres Besuches der alten Heimat im Mai 2007 nach Deutschland mitgebracht.

 

 

 

 

   

 

 

   

 Ein Besuch unseres Geburtsortes Kischker

 

Unter diesem Titel verbirgt sich ein "Reise-bericht" unseres Kischkerer Landsmannes Jakob Enzminger. Er war in Begleitung seiner Ehefrau Erika und zwei seiner Schulkame-raden, den Geschwistern Georg und Rosina Bechtold, für ein paar Tage zu Besuch in Kischker. In zweifacher Hinsicht kann man sich nun über die Reise in die Vergangenheit  berichten lassen.

In "Der Donauschwabe - Mitteilungen für die Donauschwaben" Heft Nr. 10 vom 15. Okt. 2007 (Organ der Landsmannschaft der Donau-schwaben) erschien der  von Jakob Enzminger verfasste schriftliche Bericht. Darin schil- dert er in beeindruckender Weise die für ihn und seine Begleiter erlebnisreichen Tage in Kischker.

Wer aber sozusagen  hautnah in Wort und  bewegtem  Bild in 2 Stunden und 40 Minuten das heutige  Kischker erleben möchte, dem  sei der von  Jakob  Enzminger erstellte Film- bericht nachdrücklich empfohlen. Dazu gibt es eine VHS Video-Kassette oder, wenn man die  Abspielmöglichkeit hat, eine DVD,  jeweils zum  Unkostenbeitrag von 15 € zuzüglich  Versand- und Verpackungskosten, die man unter folgender Adresse bestellen kann:


Jakob Enzminger, Jakob-Böshenz-Str.6, D-67278 Bockenheim/Pfalz 

Tel. 06359-4607   

 

 

 

 

 



Mitglieder des Heimatortsausschusses  

 

1.  Vorsitzender: Andreas Klein, Zedernweg 21, 76149 Karlsruhe,

                        Tel.: 0049 721 706809 

 

Stellvertr. Vors.: Theresia Meinzer geb. Beyer, Fichtenweg 47, 76149 Karlsruhe,

                        Tel.: 0049 721 706178 

 

Kassier (kommissarisch): Andreas Klein, Zedernweg 21, 76149 Karlsruhe

 

Schriftführer: zur Zt. nicht besetzt