Der Untergang Kischkers

 

Am 8. Oktober 1944 kam die Durchsage, dass die Bevölkerung die Flucht ergreifen soll,  und zwar in Richtung Sombor.

Wer soll die Flucht organisieren?

                  „ Niemand, ein jeder auf eigene Verantwortung!“

 

Am    9. Oktober 1944 fuhren die ersten Wagen weg.

Am  11. Oktober 1944 verließ der zweite Treck das Dorf. So ging es weiter bis zum 14. Oktober 1944, zum Teil auch mit deutschen Lastwagen.

Dann wurden 16 Fuhrwerke, die auf dem Weg Richtung Werbaß waren, von Partisanen angehalten und zurück nach Kischker getrieben.

Kischker war ab 15.Oktober 1944 in der Hand der Partisanen.

 

1.239 Personen blieben zurück, einem ungewissen Schicksal ausgeliefert.

Die Gemeindeaufschrift „Kisker“ wurde am 15. Oktober 1944 heruntergenommen

und das Dorf hieß wieder Backo Dobro Polie“.

   

Das Unheil nahm seinen Lauf. 

 

Am 9. November 1944  wurden 78 Personen einem grässlichen Verhör unterzogen.

In der Nacht an das Bombenloch  -45°30'04.3"N 19°39'17.8"Enahe der Kischkerer Bahnstation getrieben und dort erschossen.

Zigeuner mussten sie verscharren.

Die Namen der Unglücklichen:

 

 

Am 12. November 1944 kamen mehrere Fuhrwerke von Sombor - wohin sie Kriegsmaterial gefahren hatten - zurück. Jakob Schweikert, geb. 1874, wurde von den Partisanen in Alt-Siwatz angehalten. Sie wollten sein Pferd ausspannen, da Schweikert sich zur Wehr setzte, wurde er geschlagen und erschossen.

Weitere 3 Fuhrwerke wurden in Werbaß angehalten. Es waren Schneider Peter, geb. 1885, Seene Christian, geb. 1904, und Seene Adam, geb. 1892. Da sie das Gepäck einer auf der Flucht zurückgebliebenen Frau auf dem Wagen hatten, wurden sie unter dem Verdacht des Diebstahls verhaftet und erschossen.

 Die Namen der Unglücklichen: 

 

Am 14. November 1944  wurden weitere 47 Personen wieder einem grässlichen Verhör unterzogen und am Ziegelofen -45°29'39.8"N 19°41'55.4"E- von Christian Heinz erschossen und verscharrt. 

Die Namen der Unglücklichen:

 

 

Am 20. November 1944 wurden 14 Personen zusammengetrieben und nach einem Verhör am Abwasserableitungskanal -45°29'29.6"N 19°41'23.2"E- der Frankschen  Hanffabrik erschossen und verscharrt.

Die Namen der Unglücklichen:

 

Das Unheil nahm seinen weiteren Verlauf.

 

Im Dezember 1944 nach Russland deportiert und dort oder kurz nach der Entlassung gestorben.

 

Am 6. Dezember 1944 von den Partisanen verschleppt und

im Lager Mitrowitz gestorben.

 

 

Bei der Bombardierung von Dresden am 13./14. Februar 1945 umgekommen.

 

 

Am 8. Mai 1945 durch Bomben in Auscha CSR  umgekommen.

 

  

Auf der Flucht tödlich verunglückt.

 

 

Im Lager Kischker gestorben.

 

 

Im Lager Jarek gestorben.   

 

 

 Im Lager Werbaß verstorben.

 

Im Lager Gakowa verstorben.

 

In verschiedenen Lagern verstorben.

 

          "Seele, vergiss sie nicht. Seele, vergiss nicht die Toten." (F. Hebbel)

 

Kischker heute 2017, 

73 Jahre nach dem Untergang ein - durch die ethnische Vielfalt -  zerrissenes Dorf, ohne Charme, ohne Charakter, ohne Leben.

Aus der Distanz betrachtet, ein seelenloses Nest.

 

 

             Die Batschka mit Kischker ist trotzdem, immer eine Reise wert!

 

Wir dürfen unser wunder-bares, schönes Kischker, wie es früher war, 

nie vergessen!

 

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    Charta der deutschen Heimatvertriebenen

          vom August 1950

 

Im Bewußtsein ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen, im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum christlich-abendländischen Kulturkreis, im Bewußtsein ihres deutschen Volkstums und in der Erkenntnis der gemeinsamen Aufgabe aller europäischen Völker, haben die erwählten Vertreter von Millionen Heimatvertriebenen nach reiflicher Überlegung und nach Prüfung ihres Gewissens beschlossen, dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit gegenüber eine feierliche Erklärung abzugeben, die die Pflichten und Rechte festlegt, welche die deutschen Heimatvertriebenen als ihr Grundgesetz und als unumgängliche Voraussetzung für die Herbeiführung eines freien und geeinten Europas ansehen. 


1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser         Entschluß ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches  im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat.


2. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.

 

3. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas.


Wir haben unsere Heimat verloren. Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Den Menschen mit Zwang von seiner Heimat trennen, bedeutet, ihn im Geiste töten.

Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt. Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen, daß das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird.

So lange dieses Recht für uns nicht verwirklicht ist, wollen wir aber nicht zur Untätigkeit verurteilt beiseite stehen, sondern in neuen, geläuterten Formen verständnisvollen und brüderlichen Zusammenlebens mit allen Gliedern unseres Volkes schaffen und wirken.

Darum fordern und verlangen wir heute wie gestern:


1. Gleiches Recht als Staatsbürger nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch in der Wirklichkeit des Alltags.

 

2. Gerechte und sinnvolle Verteilung der Lasten des letzten Krieges auf das ganze deutsche Volk und eine ehrliche Durchführung dieses Grundsatzes.

 

3. Sinnvollen Einbau aller Berufsgruppen der Heimatvertriebenen in das Leben des deutschen Volkes.

 

4. Tätige Einschaltung der deutschen Heimatvertriebenen in den Wiederaufbau Europas.


Die Völker der Welt sollen ihre Mitverantwortung am Schicksal der Heimatvertriebenen als der vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen empfinden.

Die Völker sollen handeln, wie es ihren christlichen Pflichten und ihrem Gewissen entspricht.

Die Völker müssen erkennen, daß das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen wie aller Flüchtlinge, ein Weltproblem ist, dessen Lösung höchste sittliche Verantwortung und Verpflichtung zu gewaltiger Leistung fordert.

Wir rufen Völker und Menschen auf, die guten Willens sind, Hand anzulegen ans Werk, damit aus Schuld, Unglück, Leid, Armut und Elend für uns alle der Weg in eine bessere Zukunft gefunden wird.

Stuttgart, den 5. August 1950