KISCHKER
in der
Batschka

1786 - 1944

Unsere Untertitel

•  GESCHICHTE & ANSIEDLUNG

1. Aus der Geschichte                                   

2. Die Ansiedlung                                          

3. Die Urbarial-Tafel                                     

4. Ansiedler                                                   

5  Die Volkszählung

6. Völkische Eigenart 

7. Kulturbund & Vereine

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1.   AUS DER GESCHICHTE

aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J.  -1980-

 

In der pannonischen Tiefebene zwischen Donau und Theiß in der mittleren Batschka liegt die Gemeinde Kischker. Nach allen Seiten hin nur flaches, ebenes Land, so daß man schon von weither den hohen, weißen Kirchturm, der das ganze Dorf überragte, sehen konnte.

   Die geographische Lage ist 19 ° 7' östliche Länge von Greenwich und 45° 5' nördliche Breite. Die Höhe über dem Meeresspiegel beträgt 85 m. Kischker liegt an der Bahnstrecke zwischen Budapest und Belgrad. Ebenso an der Hauptverkehrsstrafše zwischen Werbaß und Neusatz. Die Gemarkung von Kischker wird von folgenden Gemarkungen begrenzt: Im Osten von St. Tamasch, im Süden von Altker, im Westen von Schowe, im Nordwesten von Kutzura und im Norden von Altwerbaß.

   In dem fruchtbaren Schwemmland an der mittleren Donau waren schon frühzeitig Menschen und Stämme zu finden, die Ackerbau und Viehzucht betrieben, um ihre Ernährung zu sichern. Das Donauland war dann im Laufe der Jahrhunderte in den Machtbereich verschiedener umliegender großer Staaten und Völker geraten. Es waren germanische Stämme, die Römer, die Hunnen und Awaren, die sich vorübergehend seßhaft machten oder sich gegenseitig verdrängten. Die Türken kamen als Eroberer und als fanatische Feinde des Christentums nach Europa (16. bis ins 18. Jahrhundert). Sie verwüsteten das Land und unterdrückten die dort lebenden Völker. Die Befreiung des Donaulandes nach der Türkenherrschaft war eine gesamtdeutsche Leistung. Im Kampfe um die Befreiung dieses Landes fielen viel mehr Deutsche, als später dort angesiedelt wurden.

   Die Vorgeschichte Kischkers läßt sich zurückverfolgen bis ins 13. jahrhundert (Nachforschungen von Prof. Friedrich Lotz). Zuerst wird es im Jahre 1267 als Cheer erwähnt, was aber d mals eine ganze Gegend bezeichnete. Das Feld gehörte zur Batscher Festung war Eigentum der Landesherren. In späteren Urkunden wird der Name auch Ker geschrieben, weitere Namensformen sind Natchker, Györgyker, Pinkaker und Metscheschker. Eine von Dr. Dudasch entworfene historische Karte von der Batschka vor 1526 zeigt Pinkaker und Györgyker auf. Die türkischen Deftern (Steuerbücher) erwähnen Kischker und Metcheschker.

   Als die Serben aus ihrer Heimat im Süden vor den Türken flüchten mußten, kamen sie um 1690 in die Batschka. In dieser Zeit entstanden die Dörfer Maliker und Stariker, die in der Kameral-Konskription von 1702 als neue Dörfer aufgezählt wurden. Da Maliker aber in der Zeit der Kurutzen Raubzüge (um 1705) einging, wurde das Feld der Gemarkung Ker (Stariker) angeschlossen. Die Umgebung von Ker war bewaldet und mit ausgedehntem Röhricht bewachsen. Durch das Dorf, den Wald und das Röhricht zog der nach Peterwardein führende wichtige Militärweg.

   Von der Ansiedlung im Jahre 1786 an führte die Gemeinde den Namen Kisker (lies = Kischker, auf deutsch = Kleinker). Im November 1918, als die Batschka zu Jugoslawien kam, wurde der Name slawisch auf Maliker umbenannt. Von 1922 bis 1927 hieß der Ort amtlich Pribitschewitschewo, nach dem damaligen Minister Pribitschewitsch. Ab 1928 führte die Gemeinde den Namen Batschko-Dobro-Polje. In der Zeit des zweiten Weltkrieges, während der ungarischen Besetzung (1941-1944), hieß sie wieder Kisker (Kischker). Seit Oktober 1944 wird die Gemeinde neuerlich Batschko-Dobro-Polje genannt. Doch im Volksmund, auch bei den anderen Nationen, war und bleibt es Kischker.

 

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2.  Die Ansiedlung unserer Ahnen

 aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. -1980-

 

   Die Zeit der Ansiedlung unserer Ahnen beginnt mit einer großen Wende in der Geschichte Europas. Zwei große geschichtliche Entwicklungen sind es vornehmlich, die mit der Beweggrund für die Besiedlung unserer alten Heimat waren: Die Vertreibung der Türken und der neue Geist der Freiheit, der sich von Frankreich ausgehend zu regen begann und nach einer Entladung suchte. Weiterhin war es wohl auch die Enge des Raumes und die Dichte der Bevölkerung, vornehmlich in den südwestdeutschen Ländern, die mit den Anlaß zur Auswanderung gaben. Durch die Auswanderung eröffnete sich den Fortziehenden eine Besserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und die Aussicht, als freie Bauern mitzuhelfen an der Erschließung zurückgebliebener Gebiete. Dazu kamen noch die vom Kaiser gewährten Begünstigungen und Vorteile, die, von geschickten Werbern in deutschen Landen verbreitet, Anreiz und Wirkung nicht verfehlten. 

   Noch während im Südosten die letzten entscheidenden Schlachten zur Verteidigung Europas geschlagen wurden, durchbebten neue Ideale einer neuen Menschheit die damalige Welt, entbrannte in vielen Herzen die Sehnsucht nach einem neuen, freiheitlichen Leben. Das Ende der mittelalterlichen Epoche, wie Leibeigenschaft und Ungleichheit der Stände, war angebrochen. Kein Wunder, daß die Wellen dieser neuen Sehnsucht, dieses neuen und nach Freiheit strebenden Geistes auch in den Frankreich am nächsten liegenden deutschen Landen hinüberschlugen und besonders in Elsaß, in Lothringen, in der Pfalz und den klassischen Ländern des schon immer hellhörigen Schwabentums den Willen zeugten, Bindungen abzuwerfen, die schon seit vielen Jahrhunderten lästig empfunden wurden.

   In zähem Ringen hatten die Heere Prinz Eugens dem Halbmond eine Niederlage nach der anderen zugefügt. Prinz Eugen dachte klar. Er wollte das von den Türken befreite Land gegen neue Einbrüche festigen und siedelte ausgediente Soldaten an. Der ungarische Reichstag ersuchte den Herrscher (1723), aus seinen österreichischen Erbländern und aus dem Römischen Reich Deutscher Nation Ansiedler nach Ungarn zu bringen. Einzelne Grundherren entschlossen sich zu ähnlichen Plänen. 

   Weite Gebiete waren durch Krieg und Türkenherrschaft verwüstet. Wirtschaft, Ackerbau, Gewerbe und Handel lagen vernichtet darnieder. Die Bevölkerung war vor den Türken geflüchtet oder in blutigen Kämpfen niedergemetzelt worden. Umfangreicher Landbesitz kam in die Hand des Staates. Unter dem Namen Prädien, Pußten oder Kameralgüter wurde dieser Staatsbesitz von der österreichischen Hofkammer verwaltet. Die höchsten Interessen des Staates, militärische, wirtschaftliche und kulturelle, sprachen für einen Neuaufbau der befreiten Länder. Ein Neuaufbau dieser Gebiete aus eigener Kraft war aber aus Mangel an Menschen unmöglich. Der Staat entschloß sich, die entvölkerten und vernachlässigten Gebiete zu besiedeln. Die Menschen zu dieser Besiedlung mußten aber aus anderen Gebieten gebracht werden. Die vom Staate eingeleitete Besiedlung brachte größtenteils Bauerntum in das Land.

     Beim sogenannten „ersten großen Schwabenzug“ (1711-1740) wurde hauptsächlich das Banat und die schwäbische Türkei besiedelt. Beim „zweiten großen Schwabenzug“ (1740-1780) kamen viele deutsche Siedler auch in die Batschka. Als besonderes Merkmal dieser beiden Ansiedlungsepochen sei vermerkt, daß nur Ansiedler katholischen Glaubens zur Einwanderung zugelassen worden waren. 

      Erst beim „dritten Schwabenzug“ unter Kaiser Joseph II. (1780-1790) fiel die Schranke des Glaubenszwanges, und es konnten auch Protestanten angesiedelt werden. Joseph war ein Fürst von großen Fähigkeiten und vielseitiger Begabung. In der dichten Besiedlung des Landes sah er eine Hauptbedingung des Gedeihens und der Stärke des Staates. Während seiner Zeit wurden ausschließlich Deutsche angesiedelt - er wollte deutschen Fleiß und deutsche Arbeitsamkeit einbürgern, um dadurch auch die übrigen Einwohner des Komitates zu Fleiß und Arbeitsamkeit zu erziehen. Er erließ ein sogenanntes „Ansiedlungs-Patent“, welches durch den in Frankfurt residierenden Kaiserlichen Kommissär vorzüglich in der Pfalz, in Zweibrücken und in Hessen publiziert wurde:

    „Wir Joseph der Andere von Gottes Gnaden, erwählter Römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, König in Ungarn, Böhmen, Galizien und Lodomerien etc., thuen hiermit Jedermänniglich kund, das Wir in Unsern Königreichen Ungarn, Galizien und Lodomerien viele unbesetzte leere und öde Gründe besitzen, welche Wir gesonnen, mit deutschen Reichsgliedern, besonders aus dem Ober-rheinischen Kreise anzusiedeln. 

   Zu dem Ende versprechen Wir bei Unserer angebohrenen kaiserl. königlichen Parole, allen zu Uns wandernden Reichs-Familien deren wir viele Tausende an Ackersleuten und Professionisten benöthigt sind: 

   Erstens: Eine gänzlich vollkommene Gewissens- und Religionsfreiheit, wie auch jede Religions-Parthey mit denen benöthigten Geistlichen, Lehrern, und was dazu gehöret auf das Vollkommenste zu versorgen.

   Zweitens: Eine jede Familie mit einem ordentlichen, neuen, nach Landesart geräumigen Haus, nebst Garten zu versehen.

   Drittens: Die Ackersleute mit dem zu jeder Familie erforderlichen Grund in guten Äcker und Wiesen bestehend, wie auch mit dem benöthigten Zugund Zucht-Vieh, dann Feld- und Hausgeräthschaften zu beschenken.

   Viertens: Die Professionisten und Tagwerker hingegen haben sich bloß deren in der Hauswirtschaft nöthigen Geräte zu erfreuen, wo nebstbei aber den Professionisten für ihre Handwerksgeräthe anzuschaffen 50 Gulden Rheinisch im Baaren ausgezahlet werden.

   Fünftens: Der älteste Sohn von jeder Familie ist und bleibet von der Militär-Rekrutierung befreyet.

   Sechstens: ]ede Familie erhält von Wien aus freye Transportierung bis auf Ort und Stelle der Ansiedlung, wozu die benöthigten Reisegelder ausgezahlet werden; darnach dauert die Verpflegung noch so lange fort, bis die Familie im Stande ist sich selber zu ernähren. Sollte aber nach dieser Unterstützungsfrist eine oder die andere Familie in ein unverschuldetes Unglück gerathen, so wird gegen die dreyjährige Rückerstattung aller Vorschub geleistet.

   Siebentens: Um die neuen Ankömmlinge, welche auf der Reise, oder wegen Veränderung des Klimas oder auch auf sonstige Weise erkranken möchten, so geschwind als möglich in ihren vorigen gesunden Zustand zu versetzen, werden Spitäler angelegt, um dieselben darinnen auf das sorgfältigste unentgeltlich zu verpflegen.

   Achtens: Endlich wird diesen Reichseinwanderern von dem Tage ihrer Ansiedlung an, durch ganze zehen jahre die Freyheit zugesichert, binnen welcher Zeit solche von allen Landes- und Herrschafts-Steuern, Abgaben und Lasten, wie sie auch Namen haben möchten, gänzlich befreyet sein und verbleiben sollen. Nach Verlauf dieser zehen Frey-Jahren aber sind sie verbunden eine leidendliche landesübliche Steuer-Abgabe, so wie andere Landeseinwohner zu entrichten.

   Welchen Entschluß und Willensmeinung Wir zur Steuer der Wahrheit mit Urkund dieses besiegelt mit Unserem K. K. aufgedruckten Sekret-Insiegel bestättigen, so gegeben Wien am ein und zwanzigsten September Anno siebenzehnhundert zwei und achtzig - Unserem Reiche des Römischen im neunzehnten, des Ungarischen und Böhmischen im zweiten.                             

Josef

ut. R. Fürst

Colloredo mppria.

(L. S.)

Ad mandatum Sacrae Caesareae

Majestatis proprium.

Ing. v. Hofman.“

   Dieses Ansiedlungs-Patent wurde noch in den letzten Monaten 1782, besonders aber in den ersten Monaten 1783 im ganzen Oberrheinischen Kreise verkündet. Es hatte auch den günstigsten Erfolg. Denn gar bald erklärten sich Hunderte von Familien bereit, unter den angegebenen Bedingungen ihre alte Heimat zu verlassen und im versprochenen Ansiedlungslande sich eine neue Heimat zu gründen. Johann Eimann, der die Geschichte der Ansiedlung, besonders die der Neu-Siwatzer Gemeinde, im Jahre 1820 schrieb, erwähnt in dieser Geschichte, nach Publizierung des Ansiedlungs-Patentes wäre die Auswanderungslust im Oberrheinischen Kreise so groß gewesen, daß es schien, als wollte die ganze Gegend auswandern. 

   Den Weg in die neue Heimat wies ihnen die Natur. Donauabwärts wanderten sie nach dem Südosten. In der Hauptsache benützten sie die damaligen Donauschiffe, die „Ulmer Schachteln“ und die „Kelheimer Platten“. Es war ein weiter Weg, rund 150 Meilen (eine deutsche Meile = 7420 m) mußten zurückgelegt werden. Wenn man bedenkt, daß sie alle unentbehrlichen Reisebedürfnisse mit sich tragen mußten, daß manche Familien altersschwache Greise, die meisten Familien Kinder mit sich führten, daß sie durch unbekannte Gegenden wanderten, wo sie so manche Schwierigkeiten überwinden und erdulden mußten, müssen wir eingestehen, daß die Einwanderung trotz allem Versprechen schwierig war. In Regensburg erhielten sie von der kaiserlichen Gesandtschaft Reisepässe bis nach Wien. In Wien meldeten sie sich bei der ungarischen Hofkanzlei, gaben ihre Reisepässe ab und wurden dann mit einem sogenannten „Ansiedlungspaß“ an die Hofkammer in Ofen gewiesen. In Ofen wurde in ihrem Ansiedlungspaß vermerkt, dass sie sich als „Ansiedler der Batschka“ bei dem Ansiedlungs-Rentamt in Sombor zu melden haben. Als sie nun in Sombor angekommen waren, erhieltjedes Familienoberhaupt, nach vorangegangener „Protokoll-Aufnahme“, ein ,,Einquartierungs-Billet“, mit welchem die Familie zur Einquartierung in einen Nachbarort auf solange Zeit eingewiesen wurde, bis sie ihr eigenes neu zu erbauendes Haus im Ansiedlungsort beziehen konnte.

   Kischker war der Zeitfolge nach das vierte deutsch-protestantische Ansiedlungsdorf der Batschka. Im April und Mai 1784 wanderten die Torschauer Kolonisten ein, ihnen folgten von Juni bis Oktober 1784 die Tscherwenkaer und von Oktober 1784 bis Frühjahr 1785 die Neuwerbaßer Siedler. Im Laufe des Jahres 1785 wanderten die für Kischker bestimmten Familien ein, die nach ihrer Ankunft in Neuwerbaß gegen den Schlafkreuzer einquartiert wurden. Das Dorf Kischker wurde vom April bis`]uli 1786 erbaut. Als Graf Peter Revay im Auftrage der kgl. ung. Statthalterei in Ofen den Ort Ende Juni 1786 besuchte, waren von den geplanten 228 Häusern 178 schon ganz aufgestampft, 13 im Stampfen begriffen und 37 noch unangefangen; von den aufgestampften waren 118 ganz eingedeckt, 54 mit Dachstühlen versehen und 56 unaufgeschlagen. Revay betonte in seiner Meldung an die Statthalterei: „In diesem Orte sind alle Materialien, bis auf einige Bretter und Latten, . . . vorhanden.“ Am 27. Juni traf dann aus Hradek Bauholz in der Batschka ein, so daß Revay seiner festen Hoffnung Ausdruck gab: „Das Kolonistendorf dürfte bis Ende Juli ganz erbaut werden.“ Der erste Gemeinderichter ]ohann Medikus und der gestrenge Ortsgespan Gaal hielten die Kolonisten zur Bauarbeit an, so daß die Erbauung des Dorfes flott vonstatten ging. Der magyarische Ispan Gaal war ein roher Pascha, jähzorniger Natur, der den Ansiedlerahnen die erste Zeit bitter schwer machte. Gaal ritt ständig im Dorfe umher und fluchte wütend, oft ohne Ursache, auf die Leute los. Wenn die Ansiedler seine wetternde Stimme hörten, gingen sie ihm aus dem Weg, was ihn noch mehr reizte. Da sie seine in magyarischer Sprache erteilten Befehle nicht verstanden, konnten sie diese auch nicht befolgen. Als die Kolonisten sich bei der Herrschaft beschwerten und einen deutschen Aufseher verlangten, da legte Gaal ihnen entsetzliche, grausame Strafen auf, sie mußten sich auf Brennessel und gespitzte Pfähle setzen, er ließ sie stundenlang in den Rauchfang hängen usw. Die Roheiten brachen dem Wüterich endlich den Hals. Kaiser Joseph H., der die Beschwerdeschrift der Kischkerer las, ließ die Angelegenheit vom Batschkaer Kommissar gründlich untersuchen, und da man den Aufseher schuldig fand, wurde er abgesetzt und bestraft samt den Panduren, die ihm behilflich waren.

   Der Bau der Häuser war einfach. Jedes Haus war 11 Klafter lang, 3 Klafter breit, _8 Fuß hoch, wurde mit Rohr gedeckt und hatte ein Zimmer, eine Küche, eine Kammer und einen Stall. Alles nötige Baumaterial stellte die Regierung und zahlte auch die Arbeit des Baumeisters und der Bauleute. Die diesbezüglichen Daten sind höchst interessant. Das Baumaterial für ein Ansiedlungshaus wurde gewöhnlich mit 106 fl. 18 Kr. berechnet (diese Rechnung ist nach Eimann über die Ansiedlungshäuser in Tscherwenka, doch wird in Kischker kein großer Unterschied gewesen sein):

für das Stampfen der Mauern              16 fl  00 kr.

für Schmieren und Verputzen           19 fl 15 kr.

für den Rauchfang zu machen            3 fl 12 kr.

für den Feuerherd zu machen             00 fl '30 kr.

für zwei Giebel                               2 fl 00 kr.

für die Türstöcke einsetzen                      2 fl 24 kr. 

für die Ofenfüße einsetzen                  00 fl, 24 kr

für die Fensterstöcke einsetzen             1 fl 12 kr

für den Oberboden mit Bretter              2 fl 30 kr

für denselben mit Estrich zu übertragen   7 fl 00 kr

für den Dachstuhl zu zimmern             14 fl 17 kr.

für denselben aufzuschlagen                 2 fl 00 kr,

für Rohrdach                                    6 fl 50 kr.

für Türen   a 86 kr.                                     3 fl 44 kr

für die Fenster  a 1 fl.                                 3 fl 00 kr.

für die Türbeschläge a 81 kr.                      3 fl 24 kr.

für zwei Öfen von Kacheln                   6 fl 00 kr

   Es ist nach dieser Aufstellung leicht zu berechnen, wieviel die in Kischker erbauten Häuser den Staat kosteten. Ursprünglich Waren 230 Hausplätze den Ansiedlern zum Häuserbau angewiesen, aber nur auf 215 Plätzen Wurden Häuser erbaut; die überzähligen 15 Plätze blieben leer, bis später nachkommende Siedler auch auf diesen Plätzen Häuser erbauten. Es geschah dies in den Jahren 1787-1789.

   Die Kischkerer Siedler waren mit dem schlichten Kolonistenhaus, dem damaligen landesüblichen Bauernhaus unserer Tiefebene, nicht sehr zufrieden. In einer Bittschrift an den Kaiser verlangten sie, man möge in ihre Zimmer Fußböden aus Holz legen lassen, da der ungebretterte Fußboden ihre Wohnungen ungesund mache, „deshalb sei auch eine Krankheit eingerissen“; Weiter baten sie um überdachte Dreschtennen. Ihre Bitte wurde aber abgeschlagen.

 

 

 Kolonisten-Haus                                                                                                                        15

 

    Außer dem Haus erhielten die Ansiedler auch alle nötigen Hausgeräte, und zwar:

1 Bettstatt

1 Axt

1 Mehlsieb

1 Strohsack

1 Breithaue

1 Brotschießer

1 Teppich

1 Grabschippe

1 Wasserzuber

6  Säcke

1 Mistgabel

1 Melkkübel

1 Backmulde

1 Spinnrad

1 Butterfaß

Außer diesen Hausgeräten bekam noch jede Familie eine Kuh oder 18 Gulden.

 

   Die Bauernfamilien erhielten noch:

4 Pferde oder 88 Gulden

1 kurzer Zaum

1 langer Zaum

4 Halftern

8 Zugstränge

2 Spannstricke

1 Sense samt Wetzstein

2 Sicheln

1 unbeschlagenen Wagen

1 Pflug samt Zubehör

1 Schleife

1 Beil

1 Stockhaue

1 Wurfschaufel

1 hölzerne Gabel

1Tängelgeschirr

2 Bohrer

1 Schneidmesser

1 Handsäge

1 Wagenseil

   Außerdem eine halbe oder eine viertel Session mit Winter- und Sommerfrüchten angebautem Ackerfeld, samt den dazugehörigen Wiesen. Doch mußten die Saatfrüchte zurückerstattet werden.     

(1/2 Session = 16 Joch Ackerland, 10 1/8 Joch Wiesen)

(1/4 Session =   8 Joch Ackerland,   4 3/8 Joch Wiesen)

1 Habsburger Joch 18. Jahrhundert = rund 57,5 Ar 

   Die Professionisten erhielten außer den früher erwähnten Hausgeräten 50 Gulden zum Ankaufen ihrer nötigen Werkzeuge. Alle diese Gerätschaften, samt Kühen und Pferden und samt den Reisegeldern, die die Ansiedlerfamilien erhielten, gerechnet, beziffert sich die Ausgabe für jede Familie durchschnittlich auf 300 Gulden. Rechnen wir nun hinzu noch die Summe von 200 Gulden, die jedes Haus für die Familie kostete, so läßt sich annehmen, daß jede Ansiedlerfamilie den Staat 500 Gulden kostete. Die Ansiedlerfamilien in Kischker kosteten demnach 115.000 Gulden.

  

 

 

  

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3.  DIE URBARIAL-TAFEL VOM JAHRE 1787

aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. -1980-

Aus der Festschrıft von Prof. Friedrich Lotz 1936

 

Die „Urbarial Tafel von Cameraldorf Kiss-Keer A0 1787“, die vom 21. Juni 1787 datiert und von dem Geometer Stephan Szalay unterfertigt ist, bildet den Abschluß der Besiedlung und bietet zugleich deren Gesamtergebnis. Es War das erste Grundbuch der Gemeinde und zeigt die Verteilung der urbaren, fruchtbaren Grundstücke unter den Urbarialisten, Bauernkolonisten; es zählt aber schon die jährlichen Roboten (Arbeits- oder Spanndienste), Zinsen und Naturalabgaben auf, die der einzelne Erbuntertane nach verflossenen Freijahren an die Grundherrschaft zu leisten hatte. Denn die Ansiedler waren keine grundbücherlichen Eigentümer der erhaltenen Felder, sondern nur Erbpächter, das Nutznießungsrecht vererbte sich nämlich in der Familie und fiel in der Regel dem ältesten Sohn zu. Wie aus der Schlußklausel hervorging, wurde der Inhalt des Urbarialverzeichnisses den Kolonisten in ihrer Muttersprache mitgeteilt. Zunächst zählte die Tafel die Namen der Kolonisten der Hausnummer nach auf, demnach konnten daraus die Sippennamen ausgezogen und für die Familienforschung verwertet Werden. Sie enthielt insgesamt 198 Bauern 17 Kleinhäusler (Handwerker und Taglöhner) und 5 Freigründe: Pfarr-,Schulmeister-, Notär-, Gemeinde- und Fleischbankfeld. Die zweite Rubrik „Eigenschaft der Ansässigkeit“ gibt an, ob der Bauer 4/8 oder 2/8 Session Feld bekam. Eine ganze Session (zu übersetzen mit „Ansässigkeit“) hatte bekannterweise 32 ]och Ackerfeld und 22 Joch Wiesen, das ]och aber 1100 Geviertklafter. Die dritte Rubrik „Bestimmung der Ansässigkeit“ teilte den Boden in innere Gründe (Hausplätze, Hofstellen und Gärten) und äußere (Acker- und Wiesenfelder). Der Bauer hatte einen 26/8, der Kleinhäusler 13/8 Preßburger Metzen Aussaat umfassenden Platz im Dorfe erhalten. Der Halbsessionist bekam 16 ]och Acker- und 101/8 ]och Wiesenfeld, der Viertelsessionist 8 ]och Ackerfeld und 43/8 ]och Wiesen. Die Zahlen der jährlichen Tagroboten beliefen sich beim Halbsessionist auf 26, beim Viertelsessionist auf 13; ersterer hatte der Herrschaft mit Wagen oder Pflug 26 Tage unentgeltlich zu arbeiten oder 52 Handroboten zu leisten, letztere die Hälfte. Von allen Getreidearten gaben sie das Neuntel, außerdem zahlte der Bauer wie der Kleinhäusler 1 Gulden Hauszins. An kleinem Zehent gab der Halbbauer 1/2 Halbe Schmalz, 1 Kapaunen (Hahn), 1 Huhn und 6 Eier, der Viertelbauer die Hälfte.

   Wir sehen, daß diese Urbarialtafel sich auf alles Grundsätzliche des damaligen bäuerlichen Lebens erstreckte und auf der Bodengebundenheit und dem Familiengedanken fußte. Die Gesetzgebung Josephs II., die die Verleihung des freien bäuerlichen Besitzes, seinen Umfang und seine Versteuerung bestimmte, lag den ganzen Besitzverhältnissen zugrunde. Ein jeder Ansiedler erhielt entsprechend der Zahl der Arbeitskräfte und der Geldmittel, die er itbrachte, eine ganze, halbe oder Viertelsession. Diese Abhängigkeit der Betriebsgröße eines Hofes von der Größe einer Familie, der Anzahl der Hilfskräfte, zeigt die Weitsichtigkeit, mit der Joseph ll. Die Siedlungspläne durchdachte. Es sollten auf jeden Fall lebensfähige Höfe geschaffen Werden, die eine Familie ohne fremde Hilfskräfte gut ernähren konnten. Den Grund und Boden gab man den Ansiedlerfamilien als Ernährungsgrundlage und das Nutznießrecht iíberging von Geschlecht zu Geschlecht.    

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  4.  Die Ansiedler

 aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. -1980-

 

VERZEICHNIS DER ANSIEDLER

Im folgenden führen wir die Namen der in Kischker angesiedelten Bauernfamilien in alphabetischer Reihenfolge an. Von den angesiedelten Handwerkern und Taglöhnern liegt leider kein Verzeichnis vor. Die neben dem Namen stehende Ziffer gibt die Zahl der zur Kolonistensippe gehörenden Familien an.

 

Altheim, Amberg (2), Antoni (2), Armbrüster

  

Bauer (4), Bach (2), Beck, Becker (2), Bechtold, Beintner, Berg, Bieber,

Biege, Blatter, Blumenschein, Boländer (2), Borner, Borst, Börkel, Brech-

macher, Buchmann, Burghardt, Büchler

  

Demand, Dietrich (3), Dindinger, Donner, Dussing

 

Ebersold, Ehrhardt, Eidenmüller (2), Eisenlöffel (2), Endres, Engel (2),

Eva (2)

 

Falkenstein, Federmann, Fischer, Forell, Frank, Freitag, Friedrich, Frit-

zinger, Fröhlich, Früh

  

Gartner, Georg, Gerber, Gerstheimer, Gilmann, Glas (2), Glei (Klei),

Göbel, Götz, Gran, Greilach (3), Groß

  

Haag, Haas, Hajnotzy, Hartmann, Hasmann, Hausknecht, Heinz, Held,

Hellermann, Herchen, Hermann, Hert, Hofmann, Hetzel, Hissung, Hof-

stetter, Hettinger, Huber, Humann, Hütter

  

Jahke, Jung (4)

  

Keupert, Kister, Klein (2), Kling, Knipper, Kohler, Kolb (2), Konrad,

König, Körber, Krieger, Kreter, Kreutzer, Krohn (3), Kutscher

  

Lautenbach, Lautenschläger, Laux, Lechner, Liebmann, Litz (2), Lints,

Litzenberger, Lung

 

Maaß, Mahler, Mathes, Mayer, Meder, Medikus, Meister, Melcher, Mensch,

Mesler, Mohr (3), Morgenthaler, Müller 

 

Nägeli, Neubauer, Neumann, Noe

  

Paul (2), Peter, Pfaff, Philipps (2), Porpus, Proesper, Prusius

  

Rauch, Reitenbach, Relin, Römmig (2), Roth (2)

 

Schad, Scheifle, Schlafmann (2), Schmeltzer, Schmidt (4) evangelisch,

Schmidt (2) reformiert, Schneider (3), Schnell, Schoest, Schopp, Schreiner,

Schuard, Schwarz (2)

Seeger, Sehne (4), Seibert (2), Simon, Sohl, Spang, Speeh (Spee), Steeg,

Stroh, Stötzer

  

Trarbach, Trumpler, Tümler, Trießler

  

Uhl

  

Wächter, Weber (2), Weidmann, Werner, Wolf, Wüst, Würtz

  

Zapp, Zeuner

 

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5.  DIE VOLKSZÄHLUNG 1791 

aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. -1980-

Aus der Festschrift von 1936  

Am 30. Dezember 1791 - also 5 Jahre nach der Ansiedlung - wurde in Kischker eine Volkszählung durchgeführt, über die ein Verzeichnis im Ortsarchiv vorhanden war. Beim Vergleichen dieser Konskription mit der Urbarialtafel fiel zunächst auf, daß sich im Sippenstand eine starke Veränderung vollzogen hatte. Einige waren abgewandert, andere Waren in der männlichen Linie erloschen, viele aber siedelten sich in dem kurzen Zeitraum von 1787 - 1791 in Kischker ein. In der Konskription kamen folgende 28 Namen nicht mehr vor:

Beck, Blatter, Borner, Buchmann, Büchler,

   Fritzinger, Frank, Fröhlich,

Götz, Grau,

   Haas, Herrchen, Hissung, Hofmann,

Knipper, Konrad,

   Mayer, Medikus, Melcher,

Nägeli, Neubauer,

Rauch, Relin,

   Schoest, Seibert,

Trarbach, Tumler

   Zapp.

Später aber tauchten einige dieser Namen wieder auf, wie Frank, Hoffmann, Konrath, Mayer, Seibert.

   Wie ist das Wiedererscheinen dieser Familien zu erklären? In den meisten Fällen kehrten die abgewanderten Familien später nach Kischker zurück. Sicher verleidete ihnen etwas das Ansiedlungsdorf, sie versuchten anderswo ihr Glück, bereuten den Dorfwechsel und kamen zurück. In vereinzelten Fällen starben die Eltern frühzeitig, und da die Söhne noch klein waren, konnten sie erst in Jahren das Haus und die Bauernwirtschaft übernehmen, worauf sie steuerpflichtig wurden und auch in den Steuerlisten vorkamen.

   Auffallend groß ist die Zahl jener Familien, die in Kischker nach der Besiedlung ansässig wurden. Sie erwarben sich teils eigene Häuser und Felder von den Abwanderern, teils wohnten sie in Zins und waren Handwerker.

   Von diesen Nachzüglern fanden viele eine dauernde Heimat in Kischker, einige aber hielten sich nur vorübergehend auf. Zugewandert sind folgende 48 Familien: Bayer, Beron, Briesner, Brücker, Brunner, Casparek, Dalet, Enzminger, Fernpiller, Guld, Gutschner, Hug, Josee, Krob, Landvater, Leinweber, Lenharcl, Lindenlaub, Mertz (März), Molter, Moser, Nehlich, Neifert, Neß, Noresi, Oberländer, Ott, Pabstmann, Petz, Pfeiffer, Pissinger, Postel, Putze, Reitenauer, Ried, Querini, Sekler, Schiffmann, Stich, Strohm, Teifel, Tormajer, Traut, Wack, Walter, Wentz, Wittmer, Zink.

   Da 48 Familien zugewandert, 28 Familien abgewandert waren, so hatte der Ort eine Zunahme von 20 Familien. Unsere Ansiedlerahnen wurden freie Untertanen genannt, sie hatten Freizügigkeit genossen, wovon sie auch reichlich Gebrauch machten.

   Laut der Volkszählung belief sich die Seelenzahl im Jahre 1791 auf 1147. Davon waren der Religion nach 1015 evangelisch, 63 reformiert, 57 römisch-katholisch und 12 israelitisch. Die Konskriptionsliste enthielt 258 Männer und 270 Frauen, von den 619 Kindern waren 356 männliche und 263 weibliche.

   Reformiert waren 12 Familien: Blumenstock, Brücker, Guth, Krieger, Lins, Mohr, Moser, Paul, Valentin und Heinrich Schmidt, Wentz und Zink. Römisch-katholisch waren folgende 12 Familien: Briesner, Fernpiller (Gemeindenotär), Guld, Huber, Hug, Josee, Lechner, Lung, Noresi, Pabstmann, Postel und Querini. Die zwei jüdischen Kaufleute hießen Hirschl und Spitz,

letzterer hatte einen Gehilfen und einen Hauslehrer namens Mandel.

   Ein Teil der reformierten Familien zog nach Neuschowe, die Katholiken wanderten auch ab, so wurde der Ort rein evangelisch.

   Dieser Volkszählung kam in sippenkundlicher Hinsicht eine überaus große Bedeutung zu. Das Verzeichnis gab nicht nur die Namen und das Alter der Familienmitglieder an, sondern mit unter auch Verwandschaftsverhältnisse.                                                                                                

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 6.     Völkische Eigenart

 aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D.   J. 1980

 Auszüge aus der Festschrift von 1936 von Prof. Friedrich Lotz

 

   Wie Inseln aus dem Meer erhoben sich die Siedlungen der Batschka. Deutsche, serbische, ungarische, slowakische und kleinrussische Dörfer lagen nebeneinander. Die deutschen Ortschaften zeichneten sich durch Ordnung und Sauberkeit aus. Die Gassen waren rein gefegt, die Häuser blütenweiß getüncht, die Höfe bis in die versteckten Winkel wohlgeordnet, die Zimmer reinlich, einladend und die Gärten und Felder waren musterhaft bebaut.

   Die in völkischer Hinsicht überaus bunten Ansiedlungen Waren meistens auch von zwei bis drei Kirchen überragt. Selten war ein Dorf – wie Kischker - dem Glaubensbekenntnis und der Volkszugehörigkeit nach einheitlich, und eben dies gab unserer rein deutsch-evangelischen Gemeinde ein ganz besonderes Gepräge. Es ist auch bemerkenswert, daß Kischker nicht mit den nachbarlichen protestantischen Dörfern, sondern mit den entfernteren aber ebenfalls rein deutsch-evangelischen Gemeinden Bulkes und Jarek seit altersher in guter Beziehung stand. Die Bewohner dieser Bauerndörfer waren immer etwas konservativer als die anderen deutschen Ortschaften, sie strebten nicht nach städtischen Lebensgewohnheiten, sie hielten der alten Bauernart die Treue und ihre Söhne liebten die Bauernarbeit, so daß nur wenige studierten. Der tüchtige Menschenschlag ließ sich auch zur Zeit der Konjunktur in keine Spekulationen ein und war in letzter Zeit wirtschaftlich stark und kerngesund.

   Besondere Tugenden unserer Kischkerer: Fleißig, strebsam, sparsam, auch schuldenfrei, verwandtschaftstreu, liebt die Gesellschaft, macht gern Spaß, politisiert gern - doch streitet nicht, grüßt alle Leute, ist fröhlich und vergnügt und genießt, was ihm die Welt bietet.

   Auch an der Kleidung konnte man gegenüber anderen Nationen einen deutlichen Unterschied sehen. Während andere, hauptsächlich bei den Frauen, mehr grelle, schreiende Farben trugen, waren unsere Frauen einheitlicher und für das Auge angenehmer gekleidet. Bis in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg trug man sonntags die schönen Trachtenröcke. Die Grundfarbe war Schwarz oder Dunkel mit kleinen rot-grünen Blumenmustern, in weißes kurzärmeliges Hemd mit einem schwarzsamtenen Leibchen und um die Schultern ein ebenfalls buntgeblumtes seidenes Umhangtuch, das mit Fransen eingefaßt war. Die älteren Frauen trugen im Winter zum Schutz gegen die Kälte den „Tschurak“, einen halblangen, mit Lammfell gefütterten schwarzen Frauenmantel.

   In der letzten Zeit war es ein schönes Kopftuch (sonntags mit gepresstem Kranz), das auch dem Gesicht seinen wahren Ausdruck verlieh und als Kopfbedeckung diente. Am Oberkörper waren sie mit einer zierlichen Bluse bekleidet, und die weiten, langen, feingefältelten Röcke gaben dem Ganzen das Gepräge, auf Tradition wurde großer Wert gelegt. Die Formen und

Gebräuche wurden streng einheitlich gewahrt. Die 6 bis 7 gestärkten Unterröcke waren ebenfalls sorgfältig in kleine Falten gelegt und bildeten die Unterkleidung. Der Rock war vorne mit einer zierlichen Schürze bedeckt.

   Die Kleidung der Männer war zuletzt ganz neuzeitlich. Nach der Ansiedlungszeit, so auch noch später, war die Sonntagstracht ein runder, schwarzer Hut, eine schwarze Jacke oder ein Leiwl (Weste) mit weißen Knöpfen, enge schwarze Latzhosen in den weißen Socken (der Zipfel des Taschentuches flatterte auf der Seite heraus) und schwarze Schlappen.

Die Alltagstracht war einst Hosen, verfertigt aus selbstgesponnener und selbst gewebter Leinwand (aus Hanf). Die Socken aus Schafwolle, die Hemden aus gebleichtem Hanftuch (hänfernem Tuch) waren auch selbst hergestellt. Zur Feldarbeit trug man lederne „Batschker“, während im Winter „Klumpe“ (Holzschuhe) angezogen wurden. Zum Schutz gegen die trockene Kälte hatte man einen „Bunda“, einen Umhang, der bis zur Erde reichte und aus Schafpelz gefertigt war. Als Kopfbedeckung im Winter diente bis in unsere Zeit die gute, warme Pelzkappe. 

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7.   SCHWÄBISCH-DEUTSCHER-KULTURBUND

aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. 1980

   Als sich am 20. Juni 1920 viele deutsche Männer und Frauen aus allen deutschen Siedlungsgebieten Jugoslawiens in Neusatz zusammenfanden und die Gründung des Schwäbisch-DeutschemKulturbundes beschlossen, warenauch viele Kleinkerer in Neusatz anwesend, um diesem Festakte beizuwohnen. Die in unserer trauten Muttersprache gehaltenen Reden, der brüderliche Händedruck eines katholischen und eines evangelischen Pfarrers, mit

dem Gelöbnis, sich einander als deutsche Brüder zu achten und zu lieben, die außerordentliche Freundlichkeit untereinander und der ganze Verlauf der Feierlichkeiten mit der weihevollen Stimmung, machten auf unsere Landsleute einen tiefen Eindruck.    

   Der Tag unserer Ortsgruppengründung wurde auf den 5. Dezember 1920 festgesetzt. Schon lange vor Eröffnung der Versammlung scharten sich Männer und Frauen vor dem Gemeindehaus zusammen. Alles war gespannt, wie schön es sein muß, deutsche Redner zum Volk deutsch sprechen zu hören, wo doch dieser Brauch damals schon nicht mehr geübt wurde. Aus Neusatz waren Dr. Georg Graßl, Emmerich Till und Jakob Krämer erschienen. Vikar Christian Müller hieß im Namen der Anreger die Erschienen willkommen und eröffnete die Gründungsversammlung. Zum Leiter der Versammlung wurde Pfarrer Jakob ]ahn gewählt. Der evangelische Frauenkirchenchor sang ein Eröffnungslied. Pfarrer Jahn dankte für das Vertrauen und die Ehre und begrüßte auch alle Anwesenden. Er hielt eine ergreifende Ansprache, worin er an die Worte anknüpfte: „Erkenne dich selbst“ - Er mahnte unser Volk, es solle sich selbst erkennen und seiner Muttersprache und seinen guten Tugenden treu bleiben. Wir sollen auch unsere Fehler bekennen und den Mut aufbringen, diese wieder auszubessern. Er warnte vor dem materialistischen und chauvinistischen Geist, weil dieser für unsere Kultur verderblich ist. Er forderte alle Anwesenden auf, zum deutschen Volkstum sich mutig zu bekennen, aber auch die Eigenart der andersnationalen Bürger zu achten und zu schätzen.

   Bundessekretär Dr. Georg Graßl erörterte die Ziele und Aufgaben des Kulturbundes, betonte die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses im Rahmen des Kulturbundes und forderte alle Landsleute auf, dieser Organisation beizutreten. Nach ihm sprach Vikar Müller und sagte unter anderem: „Wir brauchen uns dessen nicht zu schämen, daß wir Schwaben sind. Im Gegenteil, stolz können wir darauf sein, denn die Schwaben haben in ihrer neuen Heimat in der Wojwodina, seit der Ansiedlung unbeschreiblich viel geleistet. Deutsche Ausdauer und deutscher Fleiß haben derartige Erfolge aufzuweisen, wie diese keine andere Nation zu zeigen vermag.“

   Hierauf sang der Männergesangverein das Lied „Brüder, reicht die Hand zum Bunde“. Georg Jaki schilderte die geistige Knechtschaft der deutschen Jugend und forderte, den Kampf für Freiheit des Geistes und der Kultur mutig aufzunehmen und bis zum Ziele zu führen. Er betonte, daß wir nur durch Einmütigkeit unseren kulturellen Fortschritt sichern können. Wir müssen alle dem Kulturbund beitreten, damit er stark genug werde, um unserem Volke seine deutsche Schule wieder zurückzugeben.

   Danach wurde die Wahl des Ortsausschusses vorgenommen. Gewählt wurden: Obmann Daniel Roth, Schriftführer Ludwig Schwarz, Säckelwart Georg Jaki jung, Rechnungsprüfer Johann Fath und Adam Jaki.  

    Die Ortsgruppe ging mit großer Begeisterung an die Arbeit und konnte auch bald einen sehr schönen Erfolg aufweisen. Gleich nach der Gründung wurde eine eigene Bücherei für Erwachsene und Jugendliche aufgestellt, die allen Mitgliedern zugänglich war. Daß dieser Schritt der Ortsgruppe größtes Verständnis fand, bewies die Tatsache, daß schon nach kurzer Zeit die Bücherei vergrößert und mit neuen Büchern erweitert werden mußte. Auch auf das Vortragswesen legte die Ortsgruppe das größte Gewicht und konnte im ersten Arbeitsjahr bereits mehrere Vortragende gewinnen. Bei den öffentlichen Veranstaltungen der Ortsgruppe wirkte auch der Männergesangverein stets mit schönen gesanglichen Darbietungen mit. So wurde die Arbeit der Ortsgruppe im ersten Arbeitsjahr von der ganzen Bevölkerung unterstützt und konnte auf ihrer ersten Jahresversammlung im Dezember 1921 eine sehr rege Tätigkeit aufweisen. Die Zahl der Mitglieder erreichte die Höhe von 593. Die Bücherei hatte einen Stand von 680 Bänden. Auch die Bühnenabende der Ortsgruppe konnten immer Massenbesuch aufweisen.

   Die Ortsgruppe begnügte sich mit dem erzielten Erfolg nicht und strebte eine Vertiefung der Volkstums- und Jugendarbeit an. Man beschloß, im Winter 1921/22 eine Winterschule für die schulentwachsene Jugend aufzustellen. Diese neue Belebung der Arbeit hatte zur Folge, daß die Mitgliederzahl Ende Dezember 1922 auf 680 angestiegen war. Die Schulung der Jugend ermöglichte es, daß die Ortsgruppe mit mehreren Vorlesungen und Liebhabervorstellungen vor die Öffentlichkeit treten konnte. Auch die Bücherei wurde mit dem Bezug von mehreren Zeitschriften bereichert. Bemerkenswert ist auch das im Winter 1922/23 durchgeführte Winterhilfswerk, mit dem die Ortsgruppe den Beweis erbrachte, was sie auf sozialem Gebiete

zu leisten imstande war. So wurden 56 arme Kinder eingekleidet und 15 notleidende Landsleute mit Mehl, Mais und Bargeld bedacht.

   Ein harter Schlag traf die so großzügig angelegte und vielfach vorbildliche Tätigkeit der Ortsgruppe, als am 11. April 1924 der Schwäbisch Deutsche-Kulturbund laut Beschluß der Regierung aufgelöst und so auch unsere Ortsgruppe gesperrt wurde.

   Der Neuaufbau im jahre 1927 begann mit schwerer Mühe, denn es war nicht leicht, unseren eingeschüchterten Menschen den Glauben an sich selbst zurückzugeben. Die Arbeit wurde immer wieder erschwert. Trotzdem konnte die Ortsgruppe zu neuem Leben erweckt werden. Gleich im darauf folgenden Winter wurde eine Sänger- und Jugendabteilung gegründet und die Bücherei neu errichtet.

   Mit Stolz kann gesagt werden, daß unsere Kulturbundortsgruppe, trotz der Schwierigkeiten dieser Zeit, auf allen Gebieten der Volkstumsarbeit eine segensreiche Tätigkeit entfalten konnte. Als 1931 die Satzungen des Schwäbisch-DeutschemKulturbundes neu genehmigt wurden, war unsere Ortsgruppe eine der 13 Ortsgruppen, die sich über die schwierigste Zeit in die neue, dritte Aufbauperiode hinübergerettet hatten. Wir mußten nun nicht von neuem beginnen, sondern konnten mit unserer beispielgebenden Arbeit allen anderen Ortsgruppen als leuchtendes Vorbild dienen.

   Da mit dem Kulturbund von behördlicher Seite der Weg zur Arbeit freigegeben war, wurde unsere Ortsgruppe in die günstige Lage versetzt, die Volkstumsarbeit auszuweiten. Die Vortrags- und Vorlesestunden wurden zur ständigen Erziehungseinrichtung der Ortsgruppe. Die Jugend bekam ihre allwöchentlichen regelmäßigen Heimabende. Die Turn- und Sportarbeit wurde weitergepflegt und die Bücherei ausgebaut. Besonders dem sozialen Werk wurde stets die größte Aufmerksamkeit zugewendet, und in jedem Winter konnte eine Sammlungsaktion mit bestem Ergebnis durchgeführt werden. Es gab kein Arbeitsgebiet, auf dem sich die Ortsgruppe nicht mit allem Ernst betätigt hätte. 1936 war unsere Ortsgruppe mit 1031 Mitgliedern die stärkste Ortsgruppe des Kulturbundes überhaupt.

   Nachdem der Saal des Lutherheimes für Veranstaltungen und für die Jugendarbeit durch die Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt worden war, konnten Turn- und Sportgeräte angeschafft werden, so daß die Betreuung in dieser Hinsicht das ganze ]ahr durchgeführt werden konnte. Diese Abteilung beschränkte ihre Tätigkeit jedoch nicht nur auf Turnen, Leichtathletik und Sport, sondern es wurden auch Volkstänze eingeübt, es wurde gesungen, Theater gespielt und gewandert. Durch die vielseitige Arbeit und die Heranbildung fähiger Mitarbeiter wurde es möglich, weitere Unterabteilungen zu bilden. So entstanden die Jugendabteilungen (12-bis 16jährige), die Kinderabteilung (8- bis 12jährige), überall Buben und Mädel.

   Außerdem wurde noch eine Frauenschaft gegründet, die sich hauptsächlich auf dem Betreuungssektor betätigte. Erst als die Männer beim Militär waren, wurden sie auch zu anderen Aufgaben herangezogen, und man muß heute noch anerkennen, daß die Frauen trotz Krieg, Besatzungsmacht und den damit verbundenen Verpflichtungen und Hindernissen das Beste leisteten.

   Alle Namen der Männer und Frauen, denen die vorbildliche Organisation zu verdanken war, können wir nicht aufzählen, deshalb seien nur die Namen der Obmänner, die ab 1941 Ortsleiter hießen, angeführt: Obmänner bzw. Ortsleiter waren: Daniel Roth bis 18. 12. 1921, Adam Jaki bis 13. 12. 1932, Jakob Dietrich bis 1934, Georg Jaki bis März 1938, Philipp Beron bis Februar 1940, Wilhelm Schwäpler bis April 1942, Heinrich Schmidt bis zur Vertreibung im Oktober 1944. Jugendleiter war Adam Borst.

 Vereine in Kischker:  

Freiwillige Feuerwehr                         gegr. 1911

Evangelischer Männergesangverein   gegr. 1880

Deutscher  Männergesangverein         gegr. 1936

Frauenkirchenchor                               gegr. 1917

Evangelischer Jugendverein                gegr. 1930

Imkerverein                                          gegr. 1935

SPORTKLUB B. DOBROPOLJE       gegr. 1927

Jagdverein „Hubertus“                         gegr. ????

 

3 Musikkapellen, kein Verein.

Kapelle  Christian Jakober 

Kapelle  Adam Schiffmann

Kapelle  Adam Kehl

 

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Einladung am

13. Okt. 2018  zum Kischkerer

Kirchweih-Treffen

in KARLSRUHE - NEUREUT

in der Hardtstube

der Badnerlandhalle.

>>Mehr unter Veranstaltungen

  

 

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