1. Gedicht - Unsere Ahnen                                

2. Historie                                                         

3. Dorfanlage und Flureinteilung                     

4. Haustyp

5. Frühere Namen der Gemeinde Kischker

6. Kischker heute  

7. Geographie mit Landkarte

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      Aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. - 1980 -

 

1.  Unsere Ahnen von Theresia Mahler

      Vor fast 200 Jahren zogen sie aus, sie verließen Heimat und Elternhaus,

sie suchten Arbeit, sie suchten Brot, in Deutschland herrschte bittere Not.

So zogen sie in ein fernes Land, das ihnen fremd und unbekannt.

Auf der Donau entlang nach vielen Tagen,

kamen sie dahin, wo Prinz Eugen die Türken geschlagen.

Was sie hier fanden war öde und leer, das Leben war hart und das Leben schwer.

Viele der ersten fanden bald den Tod, die zweiten die Not und die dritten erst Brot.

Durch Fleiß und Arbeit haben sie es geschafft,

aus einer Wüste die Kornkammer Europas gemacht.

Und wir, die Nachkommen, sind stolz auf sie, sind heute noch dankbar für ihre Müh.

Wir erlebten dort eine schöne Zeit in Eintracht und Zufriedenheit.

Wir haben als Kinder gespielt und gelacht, in unsrer Jugend viel` schöne Stunden verbracht.

Und als die große Wende kam, da man uns unsre Heimat nahm -

wir mussten Abschied nehmen für alle Zeit, die Reise war hart, der Weg war weit.

So zogen wir Land auf Land ab, bis man uns wieder eine Heimat gab.

 

Durch zähen Fleiß konnten wir sie uns bahnen, eine schöne Heimat, wie unsre Ahnen.

 

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2.     HISTORIE 

      Die Gemeinde Kischker entsteht wieder neu 1786 während der Herrschaft des Kaisers  Joseph II. Er, der österreichisch-ungarische Monarch, siedelt in einer dritten Kolonisten-bewegung Menschen aus mehreren deutschsprachigen Gebieten in der Batschka an. 

      Kischker ist nach Torschau (1784), Tscherwenka (1784) und Neu-Werbas (1784/85) die vierte der rein deutschen und rein protestantischen Ansiedlungen in der Batschka. Darin unterscheidet es sich von anderen Gemeinden, die z. T. ein ziemliches ethnisches Gemisch darstellen. Beispielhaft sei hier die Gemeinde Werbas genannt. Ist es die Vision des Kaisers oder die seines führenden Hofstaates? Auf alle Fälle sind in Kischker außer Deutschen keine anderen Volksangehörigen und außer der protestantischen Kirche keine anderen Religionen vertreten. Die Ansiedler kommen vorwiegend aus Baden, aus dem Elsaß, aus der Pfalz, aus Hessen und Franken. Gründe, die bisherige Heimat zu verlassen und das Abenteuer der Auswanderung zu wagen, gibt es viele, u. a. große Armut oder zu wenig Lebensraum. 

 

Die Siedlungsform ist das für die Batschka typische Gassendorf. Man erkennt auch heute noch die ursprüngliche Form mit dem geschlossenen Ortsbild, den großzügig angelegten Grundriss mit der von Haus zu Haus 40 m breiten Hauptgasse und der ebenso breiten Hauptkreuzgasse. Die weiteren Längsgassen und die rechtwinklig dazu verlaufenden Quergassen - alle 30 m breit - teilen das ursprüngliche Dorf in 16 Quadrate auf.

 

Erich Gerber

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3.         DORFANLAGE UND FLUREINTEILUNG

             aus der Festschrift von 1936 von Prof. Friedrich Lotz

 

   An Hand der Kartenwerke über die Dörfer und Gemarkungen der da maligen Batschka, die unter Maria Theresia aufgenommen wurden und im Wiener Hofkammerarchiv aufbewahrt sind, läßt sich die Grundform der alten slawischen Dorfsiedlungen genau feststellen. Diese waren planlos angelegte Haufendörfer mit unregelmäßigen Gassen und Häuserzeilen. Die deutsche Siedlungsform der Batschka war das Gassendorf mit Gewannenmarkung. Gerade Kischker bietet hierfür ein gutes Beispiel, allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß die ursprüngliche Ortsanlage mit der Zeit weiter ausgebaut wurde und dadurch ihre Urform etwas einbüßte. In Kischker aber läßt sich das alte Kolonistendorf heute noch ziemlich genau erkennen. Es zeigt ein geschlossenes Ortsbild von schönster Regelmäßigkeit. Wie alle Kolonistendörfer, so wurde auch Kischker aus Sicherheitsgründen sehr groß angelegt. Die Haupt- und Hauptkreuzgasse haben die erstaunliche Breite von 40 m (von Haus zu Haus), wahrend alle übrigen Gassen 30 m breit waren, damit sich eine eventuelle Feuersbrunst nicht so ausdehnen konnte. Die drei schnurgeraden, parallelen Langgassen (die Kirchen-, Spital- und Ochsengasse), die der Hauptverkehrsstraße folgend in nordsüdlicher Richtung liegen, sowie die zwei äußeren Häuserzeilen wurden durch die Quergassen rechtwinkelig gekreuzt und zerlegten das Dorf in 16 Quadrate. Wie aus der Ansiedlungskarte des Kameralingenieurs Szalay ersichtlich ist, hatten die

vier oberen Quadrate (gegen Alt-Werbaß) und die unteren (gegen Altker) je 14, die vier äußeren mittleren (gegen St. Tamasch und Schowe) je 16 und die vier inneren Quadrate wegen der freien Dorfmitte je 15 Hausplätze; demnach zählte der Ort insgesamt 236 Hofstellen (Hausplätze und' Gärten), die mit den Gassen 208.975 kleine Joch (à 1100 Geviertklafter) ausmachten. Aus der Urbarialtabelle der Gemeinde vom 21. Juni 1787 geht hervor, daß alle Bauernhausplätze - 198 an der Zahl - gleich groß waren und 26/8 „Preßburger Metzen“, (eine Preßburger Metze = 62.498 Liter)   umfaßten,                                                                                                             19  

d. h. auf einer Hofstelle konnte man etwa 170 Liter Weizen an bauen. Die 17 Kleinhäuslerstellen waren nur halb so groß wie die Bauern Hfstellen. Das Schulmeister-, Notär-, Gemeinde- und Fleischbankhaus standen auf Kleinhäuslerstellen. Den größten Hausgrund (36/s Preßburger Metzen Aussaat) hatte das Pfarrhaus. Das quadratische Dorf umrahmte ein breiter rechtwinkeliger Streifen von Tretplätzen, die über 61 ]och umfaßten. Auf diese Tretplätze führte jeder Bauer nach der Ernte sein Getreide zusammen und setzte es dort in hohe, längliche, an den Enden abgerundete Schober auf.

   Um das Dorf breitete sich die 1800 Joch große gemeinsame Hutweide aus, auf der das Vieh - Pferde, Rindvieh, Schweine und Schafe - in abgesonderten Herden vom Frühjahr bis Herbst graste.

   Das Hottergebiet der Gemeinde wurde aus dem „excorporierten Predium“ Keer, zu dem man 30 Sessionen Remanenzgrund dazuschlug, gebildet. Das lateinische Wort excorporieren bedeutet hier absondern, das Prädium (Pußtaweide) Kisker (Maliker) gehörte nämlich ursprünglich zu Keer (Stariker), zum heutigen Altker, von dem es losgetrennt wurde. Diese Ausschreibung fand 1782 statt, als Altker geometrisch ausgemessen wurde. Der Ausdruck Remanenzgrund bedeutet Überfeld, überschüssiges Land, das gelegentlich der Urbarialregelung im Verhältnis zur Zahl der Bauern als Überschuß vorgefunden wurde. Diese 30 Sessionen ließ man zur Zeit der Ansiedlung sogleich in Robot anbauen und die Ernte wurde von der herrschaftlichen Gutsverwaltung zur Verpflegung der Ansiedler bestimmt. Sollte die Ernte nicht ausreichen, so versorge man, ordnete Revay an, die Siedler mit Brotfrucht vom herrschaftlichen Tretplatz. Zunächst wurde das Abmähen der Wiesen angeordnet und das Heu unter den Leuten verteilt. Dann wurde das Ackerfeld umgebrochen und ein Teil davon zur Wintersaat vorbereitet. Als Revay Ende Juni 1786 das Ansiedlungsdorf besichtigte, wurde das Prädium eben aufgeteilt und den Ansiedlern übergeben. Der Hotter um faßt 86 Bauernsessionen und 4 Freisessionen (Pfarrer, Gemeinde und die Fleischbank je 1 Session und Lehrer und Notär je 1/2 Session), zusammen 90 Sessionen.

Terrain Kiss Ker an Grund besitzt, zusammen .......................................................7022 Joch.

         Das Ackerfeld War der Dreifelderwirtschaft entsprechend in drei Fluren (Winter-, Sommer- und Brachfeld) geteilt. Die erste Flur grenzte an den St. Tamascher Hotter und War in vier Gewannen eingeteilt. Die zweite Flur hatte drei Gewanne und lag von der Gemeinde südlich gegen Altker. Die dritte Flur War ebenfalls auf drei Gewannen geteilt, lag vom Dorfe west-lich und grenzte an die Schoweer und Altkerer Gemarkung. Die Gewannen der Fluren Waren auf schmale parallele Feldstreifen geteilt. Jede Flur hatte zwei Teilungen, d. h. jeder Bauer bekam auf jeder Flur zwei Ackerparzellen. Auch die Wiesen hatten zwei Teilungen. Da die Felder der Hausnummer nach ausgeteilt Wurden, waren die Hausnachbarn auch Feldnachbarn. Jeder Bauer bekam auch einen kleinen Kukuruzgarten. Die Kukuruzgärten lagen vom St. Tamascher Weg rechts und links. Demnach hatte der Bauer an neun verschiedenen Stellen des Hotters Feld. Im Volksmund hießen die östlichen Sandkautflur, die westlichen Morastflur und die südlichen Hügelflur. Im Jahre 1797 suchten unsere Väter um die Ver rößerung des Hotters an. Sie begründeten ihr Gesuch folgendermaßen: (die Gemeinde) ist wegen des seit ihrer Ansiedlung sehr vermehrten Populationsstandes an Terrain schon derrnalen so beschränkt, daß sie von nächstgelegenen Ortschaften Feld zum Anbau mieten mußte und wegen zu kleiner Hutweide sich auf die Viehzucht nicht genugsam verlegen kann. Ihre Bitte wurde aber „glatterdings“ als „untunlich“ abgeschlagen.

 

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4.   Der Haustyp

       aus "UNVERGESSENES KISCHKER" herausgegeben von Johann Lorenz D. J. - 1980 -

 

 

  Die Kolonistendörfer machten mit ihren breiten Gassen, von Maulbeer-, Kastanien- oder Nußbäumen beschattet, einen sehr gepflegten Eindruck. Die Häuser zeigten keinerlei Anklänge an deutsche Bauernhöfe. Denn die Kolonisten übernahmen das den dortigen Klimaverhältnissen angepaßte Haus und bauten es zu den späteren Formen aus. Als Material zum Häuserbau wurde früher gestampfte Erde und für die Dächer Rohr verwendet. Später wurden Kotziegel, aus Lehm geformt und in der Sonne getrocknet, bevorzugt. Zuletzt wurden die meisten Häuser aus Brennziegel gebaut. Die meisten wurden mit Kalk geweißelt, einige waren auch mit einem farbigen Zementverputz versehen. Auf der einen Seite des Hofes stand das langgestreckte Haus. Unter einem Dach Waren die Zimmer, Küchen, Kammer (Speis), Gerätekammer und Stallungen vereinigt. Auf der anderen Seite stand die Sommerküche, die wegen der sommerlichen Hitze in einem Extragebäude untergebracht war. Daran war früher auch ein Backofen angebaut, deshalb auch oft Backstube genannt. Auf allen Höfen wurden die Schweineställe freistehend gebaut. Hinter den Gehöften lag der Hausgarten. Anheimelnd wirkten die Innenhöfe mit ihren Laubengängen (offener Flur), auf denen sich im Sommer das ganze Leben abspielte. Selbst zu den ärmsten Gehöften gehörte ein Laubengang, den viele mit Blumen schmückten. Die Breite der Häuser betrug 7-10 m, Während die Wohnräume sehr groß waren und nicht selten eine Stube oder Küche 16-22 qm umfaßte.

Auch war die Höhe der Wohnräume nie unter drei Meter.  

 

 

 

 

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5.    Die Namen der Batschka-Gemeinde Kischker/Kleinker

 

 

1786 - 1918    Kiskér (ungarisch, gesprochen: gischgeer), auf Deutsch: Kleinker  

1918 - 1922    Maliker (serbisch) 

1922 - 1928    Pribicevicevo (serbisch, nach einem Minister Pribicevic) 

1928 - 1941    Backo Dobro Polje (serbisch) 

1941 - 1944    Kiskér (ungarisch) 

1944 - heute   Backo Dobro Polje (serbisch)

 

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6.   Kischker heute

Kischker ist heute nicht mehr das, was es einmal war, was es bis 1944 war. Zu vieles hat sich verändert, zum Negativen verändert. 

 

Neue Bewohner - vorwiegend aus Montenegro und Bosnien - werden von der kommunis-tischen Verwaltung ab Ende 1944 in Kischker untergebracht. Sie können aber mit der vorhandenen Kultur offensichtlich nichts anfangen, und statt Erhaltung ist Niedergang angesagt. Über 200 Häuser werden vernichtet. Das daraus "gewonnene" Holz dient als Brennmaterial, andere Teile benutzt man zum Aufbau des Parteihauses im Ortszentrum. 

 

Der Ort hat viel von seinem charakteristischen Bild verloren. Das Zentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Gemeindehaus, Notarhaus und Schulgebäuden ist nicht mehr erhalten. So wurde z. B. die Kirche, nachdem man sie zwischenzeitlich als Lagerhaus nutzend zur Ruine verkommen ließ, im Jahre 1979 nach Sprengung restlos beseitigt.

  

 

 

 

Selbst auf dem Friedhof lässt man die Verstorbenen nicht in Würde in ihren Gräbern ruhen. Viele Grabstätten werden geschändet, zerstört. 

   Von der ehemals rein deutschen Bevölkerung (rund 3700 Einwohner) ist heute (2016) nur noch ein Nachkomme in Kischker ansässig. Die landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe, die den Ort einstmals prägten, sind verschwunden, ebenso die meisten Geschäfte, eigentlich die gesamte Infrastruktur. 

 

Kischker - Backo Dobro Polje, wie es nun heißt - ist mehr oder weniger ein verschlafenes Nest, ein Ort ohne Leben.

 

Die heutige "Verwaltung" der ehemaligen Gemeinde Kischker besteht aus dem

 "Heimat-ortsausschuss Kischker" mit Andreas Klein an der Spitze.

 

Erich Gerber 

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7.      GEOGRAPHIE

         Kischker  (1786 Klein-Ker) - heute heißt der Ort Backo Dobro Polje - liegt in der mittleren Batschka in der Vojvodina in Serbien zwischen den Flüssen Donau und Theiß und etwa 30 km nördlich der Stadt Neusatz/Novisad. 

 

Die genaue geographische Lage ist 45°30'02.6"N 19°41'22.2"E - 80 m ü. NN. 

 

Drei bedeutende Verkehrsadern berühren Kischker:  im Westen in 2.600 m Entfernung die Bahnlinie Budapest - Belgrad, die Hauptverkehrsstraße Werbas - Neusatz, die mitten durch Kischker geht und im Osten in 2.500 m Entfernung, die Europastraße 75, die von Budapest kommend bis nach Athen führt - mit Zu- und Abfahrten in Werbaß und Altker.

  

                                                         Klein-Ker = Kischker

 

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